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Von Elias Auerbach bis Hulda Zlocisti. Migrations- und Professionalisierungswege deutschsprachiger Zionist:innen im jüdischen Palästina vor 1933
Israel, Zionismus und DiasporaBearbeiterin: Dr. Ines Sonder
Laufzeit: DFG-Förderung (2026–2029)
Etwa 2.000–3.000 deutschsprachige Juden und Jüdinnen lebten vor 1933 in Palästina. Anders als die ca. 60.000 Emigrant:innen aus dem deutschen Sprachraum, die nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs mit der Fünften Alija als Flüchtlinge ins Land kamen, waren sie aus zionistischer Überzeugung eingewandert. Ein kleiner Teil war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in das damals osmanische Palästina gekommen, der größere Teil zu Beginn der 1920er Jahre, mit der Dritten Alija, in das nunmehr britische Mandatsgebiet Palästina. Sie waren Vorläufer und Wegbereiterinnen auf den verschiedensten Gebieten der Entwicklung der jüdischen Heimstätte – als Architekten, Ingenieure, Ärzte, Juristen, Lehrer, Sozialarbeiter, Künstler, Philosophen und Wissenschaftler der Hebräischen Universität. „Unter ihnen befanden sich viele, deren Tätigkeit dauernde Spuren im wirtschaftlichen und geistigen Leben des Landes hinterlassen hat“ (Richard Lichtheim). Dies gilt ebenso für den Beitrag der ersten zionistischen Frauen aus Deutschland, die nicht nur als Gattinnen ihrer Ehemänner, sondern mit eigenen beruflichen Vorstellungen ins Land kamen.
Ihre Lebenswege als zionistische Pioniere aus Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum sowie ihr Beitrag bei der Grundlegung lebensfähiger Strukturen für ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina wurden bislang nur durch wenige veröffentlichte Selbstzeugnisse und Monographien dokumentiert, aber kaum durch wissenschaftliche Studien fundiert – wiederum im deutlichen Gegensatz zur Exil-Forschung der deutsch-jüdischen Emigration nach Palästina in den 1930er Jahren. Vor allem ihre aktive Hilfe durch die Schaffung der Hitachduth Olej Germania (HOG), der 1932 gegründeten Selbsthilfeorganisation der Einwanderer aus Deutschland, mit der sie, die Alteingesessenen, die Eingliederung ihrer früheren Landsleute unterstützten, war als kollektive Leistung (auch international) beispiellos – in der Forschung fand sie jedoch kaum Beachtung, obwohl sie das Fundament einer erfolgreichen Integration von tausenden von Flüchtlingen darstellt.
Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Lebenswege der deutschsprachigen Zionist:innen, die schon vor 1933 nach Palästina kamen, zu dokumentieren: durch die Erstellung einer bio-bibliographischen Online-Datenbank, die sich seit einiger Zeit im Aufbau befindet, sowie als Monographie ein biographisches Gruppenporträt von zehn deutschsprachigen Zionistinnen in Palästina: Lotte Cohn, Käte Dan, Gerda Luft, Gurit Kadman, Grete Obernik, Escha Scholem, Helene Hanna Thon, Anna Ticho, Lydia Treidel und Hulda Zlocisti. Im Bereich Israel Studies sieht das Forschungsprojekt einen wichtigen Beitrag zum deutschsprachigen Zionismus inklusive seiner Geschlechtergeschichte, der deutsch-jüdischen Einwanderung und Migrationsforschung nach Palästina und zur Kulturgeschichte Israels im 20. Jahrhundert.