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Dialog # 108 / März 2026
1 / Intro
Liebe Freundinnen und Freunde des Moses Mendelssohn Zentrums,
mit viel Elan ist das MMZ in das Jahr 2026 gestartet. Einige der Veranstaltungen, über die im vorliegenden „Dialog“ berichtet wird, konnten bereits im Januar und Februar erfolgreich durchgeführt werden. Neu gestartet ist die MMZ-Vortragsreihe „Gesellschaft und Judentum heute“, bei der bis Juli 2026 einmal monatlich Akteur*innen aus der Zivilgesellschaft über jüdische Existenz, Partizipation und Zukunftsperspektiven in der Gegenwartsgesellschaft vortragen und diskutieren. Die Vorträge der Reihe richten sich dabei ebenso an allgemeine Interessierte, wie auch der Vortrag von Derek Penslar zum Thema „The 1948 Arab-Israeli War in the Eyes of the World”, zu dem das MMZ am 28. April 2026 ins Einstein Forum einlädt.
Sehr empfohlen sei auch der vertiefte Blick in das kürzlich gelaunchte Online-Portal „Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000“, worin das gleichnamige von der VW-Stiftung finanzierte Forschungsprojekt eine kommentierte Sammlung von rund 30 Quellen zugänglich macht, die für die Geschichte der radikalen Rechten in Deutschland nach 1945 von zentraler Bedeutung sind.
Besonders freuen wir uns über die Meldung, dass es unserer Mitarbeiterin Dr. Ines Sonder gelungen ist, erneut ein Forschungsprojekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bewilligt zu bekommen. Unter dem Haupttitel „Von Elias Auerbach bis Hulda Zlocisti“ wird Ines Sonder in den nächsten 36 Monaten am MMZ die Migrations- und Professionalisierungswege deutschsprachiger Zionist:innen im jüdischen Palästina vor 1933 erforschen.
Last but not least möchten wir über den Abschied und Neuanfang im Sekretariat des MMZ informieren. Unsere geschätzte Sekretärin Evelyn Borchardt ist nach fast 33 Dienstjahren, in denen sie die tägliche Arbeit des MMZ an entscheidender Stelle mit geprägt hat, zum Ende des Jahres 2025 feierlich in den hochverdienten Ruhestand verabschiedet worden. Das MMZ dankt Evelyn Borchardt für ihre langjährige überaus kompetente und engagierte Tätigkeit. Zugleich freuen wir uns, Katharina Tauschwitz begrüßen zu dürfen, die Anfang 2026 ihre Tätigkeit als neue Sekretärin des MMZ begonnen hat.
Es grüßen Sie herzlich
Werner Tress und das Team des MMZ
2 / Veranstaltungen
Veranstaltungsreihe „Gesellschaft und Judentum heute“
Mit der Veranstaltungsreihe „Gesellschaft und Judentum heute“ bietet das MMZ im ersten Halbjahr 2026 ein neues Vortrags- und Diskussionsformat für interessiertes Publikum an. An sechs verschiedenen Abenden kommen wir mit Jüdinnen und Juden vorrangig aus Berlin, Brandenburg und Sachsen ins Gespräch. Diskutiert wird über jüdische Existenz heute, Erfahrungen im Alltag, gesellschaftliche Partizipation und Perspektiven auf die Zukunft. Der thematische Bogen ist weit gespannt, reicht von Engagement in der Erinnerungskultur über Literaturbetrieb und Kunstvermittlung bis hin zu den Hoffnungen der jüngeren Generationen. Zu Gast sind u.a. die Historiker Dmitri Stratievski und David Kowalski, die Verlegerin Nora Pester und die Sozialwissenschaftlerin und Journalistin Judith Kessler. Alle Veranstaltungen finden im MMZ, Am Neuen Markt 8, 14467 Potsdam statt. Veranstaltungsprogramm: https://www.mmz-potsdam.de/aktuelles/veranstaltungen/2026/neue-vortragsreihe-des-mmz-gesellschaft-und-judentum-heute
The 1948 Arab-Israeli War in the Eyes of the World
Zeit: Dienstag, 28. April, 19 Uhr
Ort: Einstein Forum, Potsdam
Derek Penslar (William Lee Frost Professor of Jewish History, Harvard University)
Gesprächsleitung: Stephen Holmes, New York
Eine Kooperationsveranstaltung des Moses Mendelssohn Zentrums und des Einstein Forums, Potsdam
The 1948 Arab-Israeli War attracted attention from the highest levels of international society to state governments, transnational NGOs, journalism, and public opinion. Palestine and the emerging state of Israel functioned as both a mirror and a magnifier. Israel’s establishment and the Palestinian Nakba were interpreted through countries' specific interests, histories, and cultures. These events also elicited tremendous passion. Palestine’s mirroring and magnifying effects did not originate in 1948, but the events of that year drastically augmented them, and the patterns of global reaction remain with us to this today.
Derek Penslar is the William Lee Frost Professor of Jewish History and the Director of the Center for Jewish Studies at Harvard University. He recently co-chaired Harvard’s Presidential Task Force on Combatting Antisemitism and Anti-Israeli Bias , whose report was released in April of last year. Derek Penslar is currently writing a book titled The War for Palestine, 1947-1949: A Global History. This term he is a visiting fellow at the American Academy in Berlin.
Präsentation der Ausstellung „Führende Persönlichkeiten aus 100 Jahren ZWST“ im Synagogenzentrum Potsdam
Vom 5. Februar bis 5. März 2026 präsentierte der Arbeitskreis „Jüdische Wohlfahrt“ in Kooperation mit dem MMZ die anlässlich des 100. Gründungstages der Zentralwohlfahrtstelle der Juden in Deutschland (ZWST) 2017 konzipierte Wanderausstellung „Führende Persönlichkeiten aus 100 Jahren ZWST“. Diese erinnert anhand von 33 Biographien sowohl an die maßgeblichen Gründer*innen als auch an die Entwicklung der Organisation, die auf der Basis des Leitbildes „Zedaka“ Notleidende unterstützte und nicht nur die jüdische Sozialpolitik nachhaltig prägte. Die Präsentation wurde von Vorträgen zu ausgewählten Persönlichkeiten der jüdischen Wohlfahrtsgeschichte begleitet: so wurde beispielsweise die wechselhafte Biografie von Harry Maòr (1914–1982) sowie das Werk von Charlotte Friedenthal (1892–1973) und ihre Bedeutung als Wohlfahrtspflegerin vorgestellt.
Der Arbeitskreis „Jüdische Wohlfahrt“ und das MMZ sind seit 2025 durch eine Kooperationsvereinbarung verbunden und planen gemeinsame Forschungsprojekte und Veranstaltungen. Weitere Informationen unter: https://www.mmz-potsdam.de/forschung/projekte/arbeitskreis-juedische-wohlfahrt
3 / Projekte
Veröffentlichung der kommentierten Quellensammlung „Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000“
Seit März 2026 ist die kommentierte Quellensammlung „Die radikale Rechte in Deutschland, 1945-2000“ online kostenfrei zugänglich. Die Quellensammlung ist Teil des gleichnamigen Forschungsprojekts, das seit 2020 am MMZ (Prof. Dr. Gideon Botsch) in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung (Prof. Dr. Frank Bösch) und mit Finanzierung durch die VolkswagenStiftung umgesetzt wird.
Das Online-Portal präsentiert rund dreißig zentrale Quellen zur Geschichte der radikalen Rechten nach 1945, die in jeweils begleitenden Artikeln wissenschaftlich kommentiert werden. Die Artikel beschäftigen sich mit ideologischen und organisatorischen Formationen, kulturellen und lebensweltlichen Praktiken, nicht zuletzt auch Gewaltformen der radikalen Rechten sowie deren Beziehungen zu Staat und Gesellschaft. Die Sammlung richtet sich an ein breit gefächertes Zielpublikum, das Wissenschaftler:innen und Lehrende ebenso umfasst wie Studierende, Schüler:innen und politisch Interessierte. Das Quellenportal wird – im Rahmen eines dynamischen Forschungsgebiets – künftig um ausgewählte Dokumente ergänzt. Vorschläge für Beiträge von Seiten der Fachwissenschaft können gerne eingereicht werden.
Antisemitismus ist ein Element vieler der kommentierten Quellen. Besonders deutlich macht dies die abgebildete Ausgabe der Zeitschrift MUT aus dem Januar 1979. Zur deutschen Erstausstrahlung der TV-Serie Holocaust veröffentlichte die Zeitung Beiträge, die die Shoa verharmlosten oder leugneten. Die Ausgabe wurde kurz nach der Veröffentlichung indiziert.
Neues DFG-Projekt am MMZ
Von Elias Auerbach bis Hulda Zlocisti – Migrations- und Professionalisierungswege deutschsprachiger Zionist:innen im jüdischen Palästina vor 1933
Die MMZ-Mitarbeiterin Dr. Ines Sonder hat bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) erneut ein Projekt für 36 Monate bewilligt bekommen. Es wird erstmals die Lebenswege der etwa 2.000–3.000 deutschsprachigen Zionist:innen dokumentieren, die vor 1933 in Palästina lebten. Sie waren Vorläufer und Wegbereiterinnen auf den verschiedensten Gebieten der Entwicklung der jüdischen Heimstätte – als Architekten, Ingenieure, Ärzte, Juristen, Lehrer, Sozialarbeiter, Künstler, Philosophen und Wissenschaftler der Hebräischen Universität. Das Projekt umfasst zwei Teile: die Erstellung einer bio-bibliographischen Online-Datenbank, die sich seit einiger Zeit im Aufbau befindet, sowie als Monographie ein biographisches Gruppenporträt von zehn deutschsprachigen Zionistinnen in Palästina: Lotte Cohn, Käte Dan, Gerda Luft, Gurit Kadman, Grete Obernik, Escha Scholem, Helene Hanna Thon, Anna Ticho, Lydia Treidel und Hulda Zlocisti. Zur Projektbeschreibung: https://www.mmz-potsdam.de/forschung/projekte/deutschsprachige-zionist-innen-im-juedischen-palaestina-vor-1933
Call for Articles: Einladung zur Einsendung von Vorschlägen für Artikel innerhalb des Online-Portals „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“
Im Rahmen des am MMZ angesiedelten Forschungsprojekts „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“ soll das bereits bestehende Interviewportal https://ddr.juedische-geschichte-online.net um ein Online-Portal erweitert werden, das mit einer Vielzahl von enzyklopädischen Beiträgen einen neuen und vielschichtigen Zugriff auf die unterschiedlichen jüdischen Geschichtserfahrungen innerhalb des ostdeutschen Teilstaats ermöglichen soll.
Um die Vielzahl der unterschiedlichen Selbstverständnisse und Erfahrungen von Jüdinnen und Juden in der DDR innerhalb des Online-Portals abzubilden, lädt das MMZ interessierte Autor:innen ein, sich mit eigenen Beiträgen in Gestalt von Einzelartikeln zu Personen, Institutionen, Ereignissen, Quellen, Werken u.a. zu beteiligen. Dabei geht es uns nicht vorrangig darum, Autor:innen zu neuer Grundlagenforschung anzuregen, wenngleich dies durchaus wünschenswert ist. Vielmehr sind Forscher:innen zur jüdischen Geschichte in der DDR eingeladen, auf ihre bestehenden Forschungen zurückzugreifen, um diese in die Artikelformate des Online-Portals zu übertragen. Während das Online-Portal deshalb einerseits auf bestehende Forschungsergebnisse zurückgreift und diese digital zugänglich macht, erlangen anderseits die bereits bestehenden Forschungserträge der Autor:innen breitere Sichtbarkeit.
Das MMZ lädt interessierte Autor:innen deshalb dazu ein, bis zum 1. Mai 2026 Vorschläge für Einzelbeiträge einzureichen. Erbeten wird dabei neben dem/den Artikeltiteln (Name, Thema, Quelle etc.) ein max. zehnzeiliger Abstract zu den jeweiligen Inhalten. Auf dieser Grundlage wird in der Redaktion des MMZ einerseits eine Auswahl relevanter Beiträge getroffen und andererseits zu einem digitalen Workshop im Herbst 2026 eingeladen, auf dem das Konzept des Online-Portals mit Blick auf die anzufertigenden Beiträge erläutert wird.
Kontakt: Prof. Dr. Miriam Rürup, Dr. Lutz Fiedler
E-Mail: fiedler9@uni-potsdam.de
Den vollständigen Call for Articles und die Beschreibung des Online-Portals „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“ finden Sie unter:
https://www.mmz-potsdam.de/aktuelles/meldungen/2026/call-for-articles-einladung-zur-einsendung-von-vorschlaegen-fuer-artikel-innerhalb-des-online-portals-juedische-geschichte-n-in-der-ddr
4 / Berichte
Internationaler Workshop „Children in Crises“ in Zusammenarbeit von WGC und MMZ
Im Februar dieses Jahres war das MMZ zum zweiten Mal Gastgeber des jährlichen internationalen Workshops „Children in Crises“ – ein Format, das ursprünglich am Forschungsschwerpunkt Holocaust Studies des Western Galilee College in Akko (WGC) von Boaz Cohen und Verena Buser entwickelt wurde. Der diesjährige Workshop vereinte Forscher*innen und zivilgesellschaftliche Akteur*innen aus Israel, Deutschland, Tschechien und der Ukraine. Unter anderen referierten die Historikerin Daniela Ozacky-Stern (WGC) über den Psychologen Eliezer Rabinovich und die temporäre Unterbringung kindlicher Holocaust-Überlebender im hessischen Lindenfels nach 1945, der Historiker (und Lepsiushaus-Direktor) Roy Knocke über die Rettung entführter armenischer Kinder durch kurdische, türkische und Bedouinen-Familien im Mittleren Osten während der Zwischenkriegsperiode (1919–1939) und die in Berlin und Tel Aviv lebende Kunsttherapeutin Hofit Keshet über Trauma-Bearbeitung bei Überlebenden des 7. Oktober 2023 und die Einrichtung von „Safe Studios.“ Weitere Beiträge beschäftigten sich u.a. mit Erfahrungen in der sozialpädagogischen Arbeit mit Holocaustüberlebenden in Frankfurt am Main (Janine Cunea), mit Studien zum Umgang mit Aggressionen Jugendlicher in Israel (Hagit Sabo-Brants) und mit pädagogischen Programmen für ukrainische Flüchtlingskinder in Potsdam (Yana Makar). Eine Video-Dokumentation mit Vorträgen des Workshops ist in Vorbereitung.
Olaf Glöckner
Projektbericht zur „Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora“
Das hybrid angelegte Publikationsprojekt zur deutsch-jüdischen Diaspora ist in den letzten Monaten weitergewachsen. Nach dem Launch der Website „Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora“ im Mai 2025 konnten dank der technischen Unterstützung von Daniel Burckhardt viele weitere Artikel veröffentlicht werden. Auf dem Portal, das die Wege und Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sichtbar macht, die seit dem 19. Jahrhundert – besonders ab 1933 – aus dem deutschsprachigen Raum emigrierten oder fliehen mussten, finden sich mittlerweile über 50 Artikel von internationalen Autor:innen. Zu ihnen zählen Überblickstexte zu unbekannteren Orten wie Sri Lanka, Japan oder Haiti, die die globale Dimension der deutsch-jüdischen Diaspora und ihrer Transitorte aufzeigen.
Auch der Sammelband, der die renommierte Reihe Deutsch-jüdische Geschichte in der Neuzeit (C. H. Beck, 1996ff.) beschließen soll, hat weitere Fortschritte gemacht. Nachdem im Sommer 2025 bereits ein Schreibworkshop mit den Herausgeberinnen und Autor:innen der Printpublikation stattfand, ist für diesen Juni ein Writing Retreat mit allen Beteiligten in Oxford geplant. Neben Miriam Rürup, Sheer Ganor und Lisa Sophie Gebhard, die den Band herausgeben bzw. koordinieren, werden die Historiker:innen Marion Kaplan (New York), Michael Brenner (Washington, D.C.) und Guy Miron (Jerusalem) an dem Treffen in England teilnehmen. Die einzelnen Kapitel des Sammelbands sollen dort gemeinsam diskutiert und anschließend zusammengeführt werden.
Das Diaspora-Projekt, das seit Juni 2023 von der VolkswagenStiftung gefördert wird, ist erfreulicherweise erneut verlängert worden. Die für das Projekt zentrale Koordinationsstelle wird bis März 2027 durch Drittmittel finanziert, während die wichtige Mitarbeit von Verena Kurz für 2026 gesichert ist. Am 15. April 2026 geben Miriam Rürup und Lisa Sophie Gebhard Einblicke in das internationale Publikationsprojekt am Institute of Languages, Cultures and Societies (ILCS) in London. Interessierte können sich für den Vortrag, der hybrid stattfindet, über die University of London hier anmelden:
https://ilcs.sas.ac.uk/news-events/events/histories-german-jewish-diaspora-reflections-hybrid-publication-initiative
Ab Mai 2026 ist außerdem eine neue Staffel des Podcast „Jüdische Geschichte Kompakt“ geplant. Die Staffel, die am MMZ gemeinsam von Lutz Fiedler und Lisa Sophie Gebhard kuratiert wird, soll im Zeichen der deutsch-jüdischen Diaspora stehen.
Lisa Sophie Gebhard
Konferenz „Between Past and Present. Continuities of Right-Wing Extremist Images of Womanhood“ im Rahmen des EU-Projekts TARGET
Wie haben Frauen die Gestaltung faschistischer Parteien und Bewegungen mit beeinflusst? Welche Rolle spielen sie heute in rechtsextremen Spektren? Mit diesen und ähnlichen Fragen hat sich am 15. Januar die Internationale Konferenz „Between Past and Present. Continuities of Right-Wing Extremist Images of Womanhood“ beschäftigt, die am MMZ stattfand. Die Tageskonferenz wurde in Kooperation mit dem in Zagreb ansässigen „Centre for Promotion of Tolerance and Holocaust Remembrance“ organisiert.
Die Keynote zum Thema „Female Perpetrators And Their Antisemitic, Racist And Antiziganist Authoritarian Projections“ wurde von der Wiener Politikwissenschaftlerin Ljiljana Radonić (Österreichische Akademie der Wissenschaften) gehalten. Zu den weiteren Vortragenden gehörten Esther Lehnert, Perry Willson, Anca Diana Axinia, Martina Bitunjac, Urszula Markowska-Manista, Olena Petrenko, Julie V. Gottlieb und Benjamin Zachariach. Aus einer interdisziplinären und länderübergreifenden Perspektive heraus zeigten sie nicht nur spezifische historische Kontinuitäten in den Länderbeispielen auf, sondern auch, wie moderne Formen antifeministischer Ideologien und rechtsextreme Bewegungen heute gezielt Frauen ansprechen. Gleichzeitig wurde darüber diskutiert, welche Strategien Forschung und Zivilgesellschaft erarbeiten können, um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken. Die Ergebnisse der Konferenz werden im kommenden Sommer auf zeitgeschichte|online veröffentlicht.
Die gut besuchte Tageskonferenz war Teil des kroatisch-rumänisch-deutschen EU-Projekts „Teaching About Race And Gender Exclusion Timelines“ (TARGET) an dem auch das MMZ beteiligt ist. Im Rahmen des Projekts besuchten dessen Teilnehmer/-innen aus Wissenschaft und Zivilgesellschaft an den folgenden Tagen unter anderem das Synagogenzentrum Potsdam, das Jüdische Museum Berlin, die Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz. Besuche von Museen und Gedenkstätten fanden letztes Jahr sowohl in Rumänien als auch in Kroatien statt. Sie dienen der inhaltlichen Vertiefung des EU-Projekts bei der Erarbeitung innovativer Bildungskonzepte.
Das Hauptziel des Projekts besteht nämlich darin, das erlangte Wissen über faschistische Regime und die Rollen der Frauen in interaktives digitales Lernmaterial umzuwandeln. Dazu zählen etwa kommentierte zeitgenössische Dokumente und Fotografien. Die mehrsprachige Website des Projekts, die vor allem in der Bildungsarbeit und in der Lehre zum Einsatz kommen soll, befindet sich derzeit in Vorbereitung und wird noch in diesem Jahr online gehen.
Martina Bitunjac
Fortbildung für Lehrkräfte
Julia Kleinschmidt und Ingolf Seidel aus dem Bereich Outreach des MMZ führten am 29. Januar eine Fortbildung für Lehrkräfte in Eberswalde durch. Die Veranstaltung fand im Kreisarchiv Barnim statt, das zugleich als Kooperationspartner fungierte. Im Mittelpunkt standen Unterrichtsmodule des MMZ zur jüdischen Regionalgeschichte in Eberswalde und im Ortsteil Finow. Ergänzend wurden Lernmodule zu den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen mit besonderem Fokus auf Brandenburg vorgestellt und diskutiert. Die Leiterin des Kreisarchivs, Frau Heine, gab zudem einen Überblick über das vorhandene Quellenmaterial zur Geschichte von Jüdinnen:Juden in Eberswalde. Abgerundet wurde das Programm durch eine Führung in Finow zur Geschichte der jüdischen Fabrikantenfamilie Hirsch und des von ihr betriebenen Kupferwerks, die vom Förderverein Finower Wasserturm und Umgebung angeboten wurde. Trotz eisiger Temperaturen stieß dieser Programmpunkt auf großes Interesse. Die teilnehmenden Lehrerinnen kamen überwiegend aus der Region und verfügten über vielfältige Vorkenntnisse zur Thematik. Entsprechend entwickelte sich die Fortbildung stellenweise zu einem intensiven kollegialen Austausch, was maßgeblich zum Erfolg der Veranstaltung beitrug.
Workshop „Black-Jewish Relations: Against Facile Generalizations“
Im Rahmen der 57. Jahrestagung der Association for Jewish Studies (AJS), die vom 14. bis 16. Dezember 2025 in Washington, D.C., stattfand, organisierten Dr. David Jünger (wissenschaftlicher Mitarbeiter am MMZ) und internationale Kolleg:innen einen Workshop. Unter dem Titel „Black-Jewish Relations: Against Facile Generalizations“ setzte sich die Veranstaltung zum Ziel, gängige Narrative über die Allianz zwischen jüdischen und afroamerikanischen Gemeinschaften kritisch zu hinterfragen und eine differenzierte Forschungsperspektive jenseits von Apologetik oder Polemik zu eröffnen.
Der Workshop verzichtete bewusst auf klassische Vorträge und nutzte stattdessen ein interaktives Format mit Break-out-Sessions. Nach einer gemeinsamen Einführung durch die Veranstalter:innen vertieften die rund 20 Teilnehmenden in vier Arbeitsgruppen spezifische Fallbeispiele:
• Gil Ribak (University of Arizona) analysierte jiddischsprachige Auseinandersetzungen mit dem Rassismus in den US-Südstaaten des frühen 20. Jahrhunderts.
• Susannah Heschel (Dartmouth College) untersuchte die politische Instrumentalisierung und die Erinnerungskultur hinter der ikonischen Selma-Fotografie (Abraham Joshua Heschel und Martin Luther King, Jr.) von 1965.
• Laura Auketayeva (Sandra Bornstein Holocaust Education) beleuchtete das Wirken geflüchteter jüdischer Wissenschaftler:innen an Black Colleges und Universitäten (HBCUs).
• David Jünger (MMZ) diskutierte die ambivalente Rolle des deutsch-amerikanischen Rabbiners Joachim Prinz, der zwar als Hauptredner beim Marsch auf Washington (1963) bekannt wurde, dessen Engagement innerhalb jüdischer Organisationen jedoch von komplexen internen Spannungen geprägt war.
In der abschließenden Plenumsdiskussion diskutierten die Teilnehmenden intensiv über die religiösen Dimensionen der Zusammenarbeit, die identitätsstiftende Bedeutung der Bürgerrechtsbewegung für amerikanische Jüdinnen und Juden nach dem Holocaust sowie den spezifischen Beitrag deutsch-jüdischer Immigrant:innen zum Kampf gegen die Segregation.
5 / Mediathek
Aktuelle Staffel des Podcast „Jüdische Geschichte Kompakt“ zum Thema „Deutsch-israelische Beziehungsgeschichten“
Die 17. Staffel rückt das Thema „Zwischen Tradition und Moderne: Jüdische Vereine gestern und heute“ in den Mittelpunkt und eröffnet unterschiedliche Perspektiven auf das jüdische Vereinswesen.
Im Intro stellen Ihnen Prof. Miriam Rürup (MMZ) und Dr. Björn Siegel (IGdJ) die neue Staffel vor, die in den folgenden vier Folgen zum Nachdenken über jüdische Vereine anregen möchte. Denn jüdische Vereine bilden in ganz besonderer Weise die reichhaltige und vielfältige jüdische Geschichte und Kultur der Vergangenheit wie Gegenwart ab. Wie sehr Armen- und Wohlfahrtsfürsorge, der Anspruch auf Bildung, aber auch das Sinnen nach Kultur, Musik, Sport und Religion eine Rolle spielten und wie prägend diese lebendige, zivilgesellschaftliche Struktur in und für die jüdische Gemeinschaft war, dem soll in dieser Staffel zudem nachgegangen werden.
Link zum Intro:
https://juedischegeschichtekompakt.podigee.io/91-17-0-intro-zur-staffel-mit-miriam-ruerup-und-bjoern-siegel
Link zu allen bisherigen Folgen:
https://juedischegeschichtekompakt.podigee.io/
6 / Publikationen
Der von Vladimir Ze’ev Khanin und Olaf Glöckner zu Ende 2025 bei BRILL herausgegebene Band „Russian-speaking Jews as a Political Body. A Global Perspective“ greift ein Thema auf, das erstmals schon während der 1990er Jahre viel Aufmerksamkeit fand: Verstehen sich die aus der früheren Sowjetunion emigrierten Jüdinnen und Juden nicht nur als kulturelles Netzwerk und transnationale Diaspora, sondern entwickeln sie auch eine eigene politische Agenda? Im vorliegenden Band geben namhafte Autor*innen beeindruckende Einblicke, wie die postsowjetisch-jüdische Diaspora am gesellschaftlichen Leben in Nordamerika, Israel, Europa und anderswo partizipiert und gleichzeitig eine eigene Kohärenz behält. Mehr als 30 Jahre nach dem großen Exodus aus der UdSSR wird weiter intensiv debattiert, ob eine eigenständige Strömung des zeitgenössischen Judentums entstanden ist.
Vladimir Ze'ev Khanin / Olaf Glöckner: Russian-speaking Jews as a Political Body. A Global Perspective, BRILL: Leiden/Boston 2025. https://doi.org/10.1163/9789004743960
Im Mai erscheint das Buch „Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich, 1951–1971“ von Marie Müller-Zetzsche. Die Studie beleuchtet die intellektuelle Vorgeschichte der sogenannten Neuen Rechten in der Bundesrepublik und in Frankreich und rückt dabei bislang wenig beachtete Akteure und ihre Ideentransfers in den Fokus. Die Autorin zeichnet nach, wie rechtsradikale Publizisten nach 1945 die NS-Ideologie und ihre ideologischen Vorläufer zu bewahren versuchten, indem sie sie begrifflich neu justierten und strategisch weiterentwickelten. Auf diese Weise entstanden ideologische Kontinuitäten, die für spätere rechte Bewegungen anschlussfähig wurden. Die Untersuchung ist im Rahmen des Forschungsprojekts „Die radikale Rechte in Deutschland, 1945–2000“ am Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam in Kooperation mit dem Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung entstanden.
Marie Müller-Zetzsche: Erneuerung der alten Rechten. Nationalistische und rassistische Diskurse in Deutschland und Frankreich 1951–1971, Wallstein: Göttingen 2026. https://www.wallstein-verlag.de/9783835360457-erneuerung-der-alten-rechten.html
David Jünger: Joachim Prinz (1902–1988), in: Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora, 27.02.2026, https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/gjd:article-50 [02.03.2026].
David Jünger: Geteilte Erfahrungen: Joachim Prinz, der jüdische Kampf gegen Rassismus in den USA und der „March on Washington for Jobs and Freedom“ am 28. August 1963, in: Geschichte(n) der deutsch-jüdischen Diaspora, https://diaspora.juedische-geschichte-online.net/beitrag/gjd:article-48 [21.01.2026].
Die 1924 in Berlin gegründete Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches war die erste und einzige jüdische Bibliophilen-Vereinigung in Deutschland. Ihr Ziel war die Förderung jüdischer und insbesondere hebräischer Buchkunst durch hochwertige Buchgestaltung. Bis zu ihrer Auflösung 1937 veröffentlichte die Soncino-Gesellschaft rund 80 Bücher aus allen Bereichen der jüdischen Geschichte und Kultur sowie etwa 20 Zeitschriften und Werbeschriften.
Ines Sonder: Soncino-Gesellschaft, in: Encyclopedia of Jewish Book Cultures Online (EJBC), DOI: https://doi.org/10.1163/2772-4026_EJBO_SIM_031511
Lutz Fiedler: Profanierungen. Uri Avnery, Amos Kenan und die Erfindung eines israelischen Hebräischs, in: Judith Müller und Mark H. Gelber (Hrsg.), Deutsch-Israelischer Wissenstransfer und Begegnungsgeschichte. Die deutschsprachige Sommeruniversität Beer Sheva im Fokus, Baden-Baden 2025, S. 55–69.
Lutz Fiedler und Elisabeth Gallas: Universeller Anspruch, partikulare Garantie. Hannah Arendt über die „Aporien der Menschenrechte“, in: Aufbau. Das jüdische Monatsmagazin 6 (92. Jahrgang), 6. Oktober 2025, S. 34–39.
Aufsatz über Denunziantentum im Unabhängigen Staat Kroatien (1941–1945)
In dem jüngst erschienenen Aufsatz argumentiert die Autorin Martina Bitunjac, dass die Denunzianten bewusst gegen ihre jüdischen Nachbarn, Ehepartner, Kollegen oder auch Fremde handelten, um ihnen zu schaden und um gegenüber ihnen „rassische“ Überlegenheit zu demonstrieren. Die Anschuldigungen gegen Juden basierten auf Antisemitismus und freiem Willen sowie Eifersucht, Konkurrenzgefühlen und/oder dem Wunsch nach persönlicher Rache. In sehr vielen Fällen wurden Denunziationen vorgenommen, um sich jüdisches Eigentum anzueignen. Bei ihrem Bestreben, Juden aktiv aus der kroatischen Gesellschaft auszuschließen, konnten sich die Denunzianten auf die zahlreichen antijüdischen Gesetze und Verordnungen stützen, die im Unabhängigen Staat Kroatien erlassen wurden.
Martina Bitunjac: „In the Name of Civic Duty“. Denunciations and Complaints against Jewish Citizens in the Independent State of Croatia (1941–1945), in: Fascism. Journal of Comparative Fascist Studies 14,2 (2025), S. 257–283. Online unter https://doi.org/10.5117/FASC2025.2.005.BIT