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Call for Articles: Einladung zur Einsendung von Vorschlägen für Artikel innerhalb des Online-Portals „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“
Im Rahmen des am Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien angesiedelten Forschungsprojekts „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“ soll das bereits bestehende Interviewportal <https://ddr.juedische-geschichte-online.net/> um ein Online-Portal erweitert werden, das mit einer Vielzahl von enzyklopädischen Beiträgen einen neuen und vielschichtigen Zugriff auf die unterschiedlichen jüdischen Geschichtserfahrungen innerhalb des ostdeutschen Teilstaats ermöglichen soll. Das bereits bestehende und ständig erweiternde Interview-Archiv „Jüdische Geschichte[n] in der DDR“ sammelt lebensgeschichtliche Interviews mit Jüdinnen und Juden aus der DDR, erschließt diese wissenschaftlich und macht sie einer akademischen wie interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Derzeit werden die Interviewsammlungen verschlagwortet, alle erwähnten Personen indexiert, sowie Themen, Organisationen und Ereignisse extrahiert, wodurch im Anschluss eine weitere inhaltliche und technische Aufarbeitung der Interviews stattfinden kann. Das Online-Portal zur jüdischen Geschichte in der DDR ist sowohl historiographische Ergänzung als auch wissenschaftliche Erweiterung dieses Interview-Archives.
Die enzyklopädischen Einträge nehmen den gesamten Zeitraum vom Ende des Zweiten Weltkriegs über die Gründung der DDR bis zu deren Ende und der Vereinigung der beiden deutschen Teilstaaten in den Blick, um dabei die unterschiedlichen Geschichtserfahrungen von Jüdinnen und Juden in der DDR sowie ihrer oftmals divergierenden Selbstverständnisse sichtbar zu machen: Gerade nach der Katastrophe des Holocaust wirft die Erforschung der verschiedenen Lebenswege ostdeutscher Jüdinnen und Juden zahlreiche Fragen, gerade auch im Vergleich zu Westdeutschland, auf: Was hat sie zum Verbleib oder zur Rückkehr in die DDR bewogen? Welche Hoffnungen und Erwartungen waren mit dem neuen Gemeinwesen verbunden? Und in welchem Maße entsprach die Rückkehr zugleich der Einwanderung in eine sozialistische Utopie, die als Reaktion auf die Gräuel der Vergangenheit eine andere Zukunft als etwa in Westdeutschland versprach? Mit der Frage nach den Hoffnungen und Erwartungen verbindet sich zugleich jene nach Enttäuschungen: Wie wurde der auch in der DDR vorhandene verschiedentlich offene oder subkutane Antisemitismus erlebt, wie wurde hier das Ausbleiben einer Verantwortungsübernahme für den Holocaust wahrgenommen? Verbunden sind damit auch Fragen danach, wie sich das Selbst- und Zugehörigkeitsverständnis der jüdischen Bevölkerung im Laufe der Zeit gewandelt hat.
Unsere Perspektive will die Geschichte der Gemeinden mit den Erfahrungen jener Jüdinnen und Juden in der DDR verschränken, die sich außerhalb jüdischer Institutionen bewegten. Biographisch – d.h. mit Blick auf Einzelpersonen – sollen deshalb sowohl die Lebenswege von Jüdinnen und Juden abgebildet werden, die als Juden und Jüdinnen gehandelt bzw. öffentlich aufgetreten waren, als auch die Lebenswege von Personen portraitiert werden, für die ihre jüdische Herkunft zwar nicht zentral war, deren jüdische Geschichtserfahrungen aber dennoch – wenngleich residual – ihr politisches, kulturelles oder künstlerisches Handeln prägten. Kollektiv wiederum werden nicht nur alle Formen eines gemeinschaftlichen jüdischen Auftretens – von den Gemeinden bis zu unabhängigen Organisationen, anlassbezogenen Initiativen oder losen Netzwerken aufgenommen, sondern zugleich jene politischen und kulturellen Entwicklungen innerhalb (und außerhalb) der DDR in den Blick genommen, die sich auf das Leben von Jüdinnen und Juden in der DDR ausgewirkt haben. Zuletzt rücken dabei auch Quellen – Texte, Aufrufe, Fotografien u.v.m. – die ikonisch für jüdische Geschichtserfahrung innerhalb der DDR sind bzw. einen enzyklopädischen Zugang zu ihr eröffnen, in den Vordergrund. Auf dieser Grundlage soll die Geschichte der Jüdinnen und Juden in der DDR mittels eines biographischen, ereignis- und institutionsgeschichtlichen Zugriffs zugänglich gemacht und in politischer, kultur- und alltagsgeschichtlicher Perspektive dargestellt werden.
Einzelartikel (ca. 3–5 Seiten) werden zu Personen, Organisationen, Schlüsselereignissen und Schlüsselthemen verfasst und als enzyklopädische Einträge online gestellt. Sie bilden die wesentliche Grundlage für das Online-Nachschlagewerk. Diese Einzelartikel wiederum gehören zu verschiedenen inhaltlichen, übergeordneten Themenbereichen.
Diesen sind jeweils allgemeine Überblicksartikel (10–15 Seiten) zugeordnet, die in die hier unten aufgeführten verschiedenen Themenbereiche einführen und einen Überblick zur Geschichte von Jüdinnen und Juden in der DDR vermitteln sollen:
Demographie, Gesellschaft & Politik // Recht & Restitution // Gemeinden & Organisationen // Erinnerungskultur & Kulturerbe // Wissenschaft // Film & Fernsehen // Kunst, Kultur & Literatur // Alltag & Lebenswelt
Um die Vielzahl der unterschiedlichen Selbstverständnisse und Erfahrungen von Jüdinnen und Juden in der DDR innerhalb des Online-Portals abzubilden, lädt das Moses Mendelssohn Zentrum interessierte Autor:innen ein, sich mit eigenen Beiträgen in Gestalt von Einzelartikeln zu Personen, Institutionen, Ereignissen, Quellen, Werken u.a. zu beteiligen. Dabei geht es uns nicht vorrangig darum, Autor:innen zu neuer Grundlagenforschung anzuregen, wenngleich dies durchaus wünschenswert ist. Vielmehr sind Forscher:innen zur jüdischen Geschichte in der DDR eingeladen, auf ihre bestehenden Forschungen zurückzugreifen, um diese in die Artikelformate des Online-Portals zu übertragen. Während das Online-Portal deshalb einerseits auf bestehende Forschungsergebnisse zurückgreift und diese digital zugänglich macht, erlangen anderseits die bereits bestehenden Forschungserträge der Autor:innen breitere Sichtbarkeit.
Das Moses Mendelssohn Zentrum lädt interessierte Autor:innen deshalb dazu ein, bis zum 1. Mai 2026 Vorschläge für Einzelbeiträge einzureichen. Erbeten wird dabei neben dem/den Artikeltiteln (Name, Thema, Quelle etc.) ein max. zehnzeiliger Abstract zu den jeweiligen Inhalten. Auf dieser Grundlage wird in der Redaktion des MMZ einerseits eine Auswahl relevanter Beiträge getroffen und andererseits zu einem digitalen Workshop im Herbst 2026 eingeladen, auf dem das Konzept des Online-Portals mit Blick auf die anzufertigenden Beiträge erläutert wird.
Kontakt: Prof. Dr. Miriam Rürup, Dr. Lutz Fiedler
Email: fiedler9@uni-potsdam.de