Ludwig Rosenberg Kolleg

Graduiertenkolleg

zum Thema

Historische Bezüge zwischen Arbeiterbewegung und Judentum

 

Das Ludwig Rosenberg Kolleg

- ein interdisziplinäres Graduiertenkolleg der Hans Böckler Stiftung (HBS) und des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam (MMZ), das sich den historischen Bezügen zwischen Judentum und Arbeiterbewegung in der Moderne widmet.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs waren die Beziehungen zwischen Judentum und Arbeiterbewegung von einer Heterogenität gekennzeichnet, in der sich nicht nur die Vielfalt jüdischen Lebens in Europa und darüber hinaus spiegelte, sondern in der sich auch das gegenseitig befruchtende Potential ausdrückte. Da jüdische Geschichte bislang primär unter den Vorzeichen der „Verbürgerlichung“ untersucht wurde, ist der für die europäische Geschichte zentrale Bezug zwischen Arbeiterbewegung und Judentum großteils unerforscht.
Darum sollen im Rahmen des „Ludwig Rosenberg Kollegs: Historische Bezüge zwischen Arbeiterbewegung und Judentum“ exzellente Promotionsvorhaben gefördert werden, die sich mit jüdischen, national-jüdischen oder jüdisch geprägten Formen der Arbeiterbewegung, mit dem Engagement von Jüdinnen und Juden und Menschen jüdischer Herkunft, mit aus der Arbeiterbewegung heraus erwachsenden Versuchen der Lösung der „Judenfrage“ oder auch mit der damit verbundenen Judenfeindschaft und dem Antisemitismus beschäftigen.
Aufgrund der Internationalität des Themas wäre eine regionale oder nationale Eingrenzung kontraproduktiv, auch erfordern die jeweils national und regional spezifischen Dynamiken eine flexible zeitliche Eingrenzung. Im Zentrum steht darum eine an den Rändern offene Kernzeit, von der Mitte des 19. bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts, welche von der Entstehung und der Erosion des industrialisierungsbedingten Arbeitermilieus ebenso bestimmt war, wie von zahlreichen Ansätzen und Praktiken der Emanzipation der Juden. Die dabei zutage tretenden vielfältigen Überlappungen grenzen die Arbeiten des Kollegs thematisch ein, woraus sich zahlreiche Synergieeffekte und weitere Arbeitsgruppen ergeben werden.
Aufgrund des fragmentierten Forschungsstandes und der gesellschaftlich hohen Relevanz des Themas wird das Kolleg in der Forschungslandschaft und darüber hinaus sichtbar und alleinstehend sein. Es umfasst Aspekte, die von den jüdischen Aktivisten der deutschen Gewerkschaftsbewegung oder den „Zionisten-Sozialisten“ um Ber Borochow über die „russischen Wurzeln der amerikanischen Arbeiterbewegung“ (Ezra Mendelsohn) und dem Entstehen des „Nicht-jüdischen Juden“ (im Sinne von Isaac Deutscher) bis in die Niederungen des „linken Antisemitismus“ und des Feindbilds des „jüdischen Bolschewismus“ reichen werden. Es wird damit angestrebt, das „gebrochene Verhältnis“ (Susanne Miller) von Arbeiterbewegung und Judentum zu ergründen, indem sowohl die Wurzeln des Verhältnisses als auch jene Facetten in den Blick genommen werden, die zum Bruch führten.

 

Wer war Ludwig Rosenberg

Ludwig Rosenberg, geboren 1903 in einer bürgerlichen, deutsch-jüdischen Familie in Berlin-Charlottenburg, machte von 1921 bis 1925 eine Lehre als Kaufmann und arbeitete dann als kaufmännischer Angestellter in der väterlichen Tuchwarenhandlung. Früh wandte er sich der Arbeiter- und Angestelltenbewegung zu, unter anderem als Mitglied des Republikanischen Jugendbundes, des Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold und der SPD. 1928 wurde er Mitglied und hauptamtlicher Mitarbeiter im Gewerkschaftsbund der Angestellten (GdA). 1933 emigrierte er nach Großbritannien, wo er als Lehrer in der Arbeiterbildungsgesellschaft arbeitete, politisch und gewerkschaftlich gegen das NS-Regime wirkte.
1946 kehrte er auf Wunsch von Hans Böckler nach Deutschland zurück und wurde 1948 in der britischen Besatzungszone Gewerkschaftssekretär. Er war 1949 Mitbegründer des DGB, dessen Bundesvorstand er von Beginn an bis zu seiner Pensionierung 1969 für zwanzig Jahre angehörte. Als Leiter der Auslandsabteilung nannte man ihn „Böcklers Außenminister“. Ab Mitte der 1950er leitete er die Hauptabteilung Wirtschaftspolitik des DGB. 1960 bis 1962 war er Präsident des Wirtschafts- und Sozialausschusses der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. 1962 wurde er als erster Vertreter des Angestelltenflügels zum DGB-Bundesvorsitzenden gewählt, ein Amt, das er in den bewegten 1960ern, den Umbruchjahren der Bundesrepublik, mit viel Engagement ausfüllte. Rosenberg war ein Pionier der europäischen Einigung und internationalen Verständigung, gerade auch im gewerkschaftlichen Bereich – so als Präsident des europäischen und Vizepräsident des Internationalen Bundes Freier Gewerkschaften. Er setzte sich für die deutsch-israelischen Beziehungen ein und trug zu den bis heute in den DGB-Gewerkschaften tief verankerten Kooperationen und freundschaftlichen Kontakten zwischen der deutschen und israelischen Arbeiter- und Gewerkschaftsbewegung bei.
Trotz seines ausgleichenden Wesens vertrat Rosenberg durchaus kontroverse Standpunkte, die im gewerkschaftlichen Rahmen heiß umstritten waren. So bekannte er sich zur sozialen Marktwirtschaft, brachte das Grundsatzprogramm von 1963 auf den Weg, das einen Abschied von klassenantagonistischen Positionen und eine Hinwendung zur „Sozialpartnerschaft“ bedeutete, und führte den DGB zu einer konstruktiven Haltung während der Ära Ludwig Erhards und der Großen Koalition (Konzertierte Aktion). Mitbestimmung war für ihn mehr als ein Instrument zum Ausgleich innerbetrieblicher Konflikte: Er sah darin einen Schritt zu mehr Demokratie und zu einer „wahrhaft menschlichen Ordnung“.
Es ist darüber hinaus bemerkenswert, dass Rosenberg einer der ganz wenigen Juden in der alten Bundesrepublik war, die überhaupt in eine gesellschaftliche Spitzenposition gewählt wurden. Es ist bezeichnend und von großem Interesse, dass dies im Deutschen Gewerkschaftsbund der 1960er möglich war.
Als Namenspatron für das Kolleg „Historische Bezüge zwischen Arbeiterbewegung und Judentum“ von HBS und MMZ ist Ludwig Rosenberg in vielfacher Hinsicht geeignet. Er entstammte nicht nur einer deutsch-jüdischen Familie, deren soziale Konsolidierung vermutlich typisch sein dürfte für die soziale Dynamik des Judentums („Verbürgerlichungs“-These) im 19. und frühen 20. Jahrhundert, sondern steht auch für die Hinwendung vieler Jüdinnen und Juden zu Demokratie und sozialer Gerechtigkeit, die sie in die Reihen der Arbeiterbewegung führten. Dieser demokratische Humanismus gehört auch zum Erbe der jüdischen Aufklärung in Mitteleuropa („Haskala“), wie sie von Moses Mendelssohn ihren Ausgang nahm. Zugleich war Rosenberg ein Vorkämpfer der Mitbestimmung und nicht zuletzt ein enger Weggefährte von Hans Böckler.

 

Ziel und Programm

Die moderne soziale Frage und die so genannten Judenfrage wurden etwa zeitgleich um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert virulent. Im Lichte der Aufklärung und Spätaufklärung wurde die Stellung der jüdischen Minderheit in den europäischen Gesellschaften zu einem kontrovers diskutierten Thema. Während sich in Westeuropa durch die Entwicklung nationaler Ordnungsschemata neue Sozialstrukturen ausprägten, die zahlreichen Juden erst den Wunsch und dann die Möglichkeit der professionellen Integration brachten, hielten die mittel- und osteuropäischen Imperien an aristokratischen und feudalen Strukturen fest. Dies führte zu Konflikten zwischen den Arbeitermilieus und dem kaum daran angepassten Staatswesen.
Doch auch in Westeuropa, ganz besonders in Deutschland, welches im späten 19. Jahrhundert durch Antisemitismus und Sozialistengesetze eine besondere diesbezügliche Spannung kreierte, war die so genannte „Judenfrage“ eine soziale Frage. Zahlreiche Initiativen und Bewegungen mit äußerst unterschiedlichen Standpunkten und Hoffnungen nahmen sich bis weit ins 20. Jahrhundert hinein des Themas an. Am meisten Beachtung fanden dabei Bestrebungen, die Emanzipation bzw. die. „bürgerliche Gleichstellung“ zu erlangen, worunter die rechtliche und ökonomische Eingliederung der Juden in die jeweiligen Nationalgesellschaften zu verstehen ist. Parallel dazu entstand eine breite und kaum erforschte jüdische Arbeiterschicht zwischen Kleinhandwerk und Industriearbeit. Hier entwickelte sich eine doppelt marginalisierte Identität als Arbeiter und Jude und folgend entsprechendes Engagement. In der starken deutschen Arbeiterbewegung fanden sich darum jüdische Aktivisten auf sämtlichen Hierarchieebenen von Organisationen diverser politischer oder ökonomischer Ausrichtung (sozialdemokratisch, anarchistisch, legalistisch, syndikalistisch, kommunistisch, etc.). An den Schnittstellen zwischen Judentum und Arbeiterbewegungen bzw. Sozialdemokratie wurden darum neben Bürgerrechten vor allem sozial-ökonomische und politische Rechte gefordert.
In Gesellschaften, in denen bürgerliche Rechte nicht gegeben waren, traten andere Schwerpunkte in den Vordergrund. Dies gilt insbesondere für das russische Zarenreich, in dessen Westteil der Großteil der europäischen Juden in einem fest definierten Siedlungskorridor zusammengedrängt lebte. Im 19. Jahrhundert verloren sie ihre Stellung als „middlemen minority“ zwischen Bauern und Grundbesitzern und fanden sich neben der Bevölkerungsexplosion der Moderneverneinung durch die Selbstherrschaft ausgesetzt. Dies führte zur Lebensweisen, in denen sich Kleinsthandwerk und Kleinsthandel vermischten, ohne jedoch eine für breitere Schichten ausreichende Möglichkeit der längerfristigen Erwerbsarbeit zu bieten. Hier wurde im Zuge der „‘aktivistischen Wende‘ im Judentum“ im 19. Jahrhundert, in dem unterschiedliche Akteure sich entschieden, das Schicksal der Juden selbst und ohne messianische Einwirkung zu verbessern, nach anfänglichen Versuchen die Frage nach der Integration in die Gesellschaft fallen gelassen und das Ziel der Veränderung der Gesellschaft in den Vordergrund gestellt. Die daraus folgenden jüdischen Massenbewegungen waren nicht nur eng mit der Arbeiterbewegung verbunden, sie waren, wie Georgi W. Plechanow es ausdrückte, sowohl die „Pariah“ als auch die „Avantgarde“ der russländischen Arbeiterbewegungen. Ab den 1890er Jahren fanden jüdische Arbeiterorganisationen und die jiddisch-sprachige Bewegung zusammen und es entstand eine weithin sichtbare revolutionäre Arbeiterkultur. Die kulturelle Frage der Yiddishkayt, des jiddisch-sprachigen Selbstbewusstseins, war damit grundlegend mit sozialen Bewegungen verknüpft.
Diese europäische Konfliktlage dehnte sich durch die Massenmigration von ungefähr 2,5 Millionen Juden in die USA und die Neue Welt aus. Einige Gruppen strebten dort nach Integration, andere nach der Revolution vor Ort, weitere nach der Emigration in eigene Gebieten oder Territorialstaaten. Sowohl im Zionismus als auch in zahlreichen anderen, nicht nach Palästina sondern in die Neue Welt strebenden Emigrationsbewegungen stand die soziale Frage im Vordergrund. Während sich in der Poalei Zion eine neue Massenbewegung jüdischer Arbeiter fand, die in ihrer „Gegenwartsarbeit“ den sozialistischen Parteien Europas nahestand, die aber das Ziel der Aliyah nach Palästina in die Arbeiterbewegung einbrachten, organisierten sich in zahlreichen anderen Immigrationsländern wie den USA, Kanada, Argentinien oder Mexiko jüdische Sektionen der dortigen Gewerkschaften und sozialistischen Parteien. Diese sammelten die Millionen jüdischer Arbeitermigranten um sich und fochten für weitere Migration. In Russland wurde der nach national-kultureller Unabhängigkeit strebende Bund zur großen Einigungsbewegung der zahlreichen jiddischen Kleingewerkschaften. Wenn auch kaum erforscht, bestanden unter all diesen Strömungen zahlreiche Beziehungen, die sowohl aufgrund der gemeinsamen jüdischen Identität als auch wegen des Internationalismus des Sozialismus zusammen führten.
Wie Michael Brenner feststellte, sind anhand der jüdischen Geschichte zahlreiche zentrale Aspekte der Geschichte moderner Gesellschaften zu untersuchen, so zum Beispiel der Umgang mit Minderheiten oder der Umgang mit religiöser Heterogenität. Dies gilt auch für die Geschichte der Arbeiterbewegung. Durch eine stärkere Betrachtung der historischen Bezüge können hier derzeit verhandelte grundlegende Aspekte der Arbeiterbewegungsgeschichte (Organisationsmodi, Entstehung von Arbeiterkulter(en), Zusammenhang zwischen nationalen und sozialen Bestrebungen, historische Praktiken) in einem Prisma untersucht werden. Einerseits bietet die Erforschung der historischen Bezüge zwischen Judentum und Arbeiterbewegung damit die Möglichkeit, die Geschichte der Arbeiterbewegung durch die Perspektive ihrer jüdischen Akteure zu erforschen, andererseits kann sie die jüdische Geschichte um Untersuchungen zum stark marginalisierten Arbeitercharakter des europäischen Judentums erweitern.

 

Forschungssegmente

Die Bezüge zwischen Judentum und Arbeiterbewegung sind anhand von vier abgrenzbaren Segmenten zu untersuchen. Daraus entstehen im Kolleg vier Schwerpunkte, die sich in den einzelnen Forschungsarbeiten jeweils überschneiden können:
In den europäischen Arbeiterbewegungen wurden zahlreiche Lösungsmöglichkeiten der sozialen Frage diskutiert. Dabei geriet die so genannte Judenfrage immer wieder in den Blick. In ihr wurde sowohl die Präsenz jüdischer Aktivisten in den Bewegungen als auch Möglichkeiten der Reduktion von Ungleichheit oder für spezifische Veränderungen in rechtlicher, kultureller, ökonomischer oder nationaler Hinsicht diskutiert. Da die „Judenfrage“ auch außerhalb der Arbeiterbewegungen von großer Sprengkraft war, stehen hier die Fragen im Vordergrund, was daran in der Arbeiterbewegung typisch oder speziell war, wie sich dies auf das Verhältnis zwischen Arbeiterbewegung und Judentum auswirkte und welche Folgeprozesse dies in den Organisationen hatte.
Fragen zur Präsenz von Jüdinnen und Juden in der Arbeiterbewegung sind großteils ungeklärt. Behandelt werden sollen Wege des Engagements in diversen Bewegungen, Gewerkschaften, Parteien im Lichte individueller oder kollektiver Biographik. Dabei ist nicht nur nach der Bedeutung jüdischer Aktivisten zu fragen, sondern auch nach Rückwirkungen auf deren Lebensläufe und Selbstwahrnehmung ebenso wie nach dem Bezug zwischen Arbeiterbewusstsein und jüdischer Identität in der Moderne.
Als „Jüdische“ Formen der Arbeiterbewegung werden jene betrachtet, die sich als jüdisch verstanden und die Problemstellungen der jüdischen Geschichte in ihrer Arbeit einen zentralen Platz einräumten, so zum Beispiel die Poalei Zion, der Bund oder die jiddisch-sprachigen Gewerkschaften in den USA. Offene Fragen bestehen dabei nicht nur in Bezug auf die Geschichte der Organisationen selbst, sondern vor allem auch in Bezug auf deren Platz in den jeweiligen Gesellschaften, in den jüdischen Gemeinden und ihre (internationalen) Beziehungen untereinander und zu solchen Organisationen, die sich nicht als jüdisch verstanden.
Von großem Stellenwert sind dabei auch die Dynamiken zwischen Antisemitismus und Arbeiterbewegung. Einerseits umfasst dies die antisemitische oder judenfeindliche Stereotype, die zur Stigmatisierung der Arbeiterbewegung genutzt wurden, andererseits die Präsenz des Antisemitismus und der Judenfeindschaft in der Arbeiterbewegung selbst, sowie die Versuche, diesem zu begegnen.

 

Ausstattung

Im Rahmen des Ludwig Rosenberg Kollegs werden zunächst acht Stipendien ausgeschrieben (Höchstförderdauer: 3 Jahre). Bei erfolgreichem Verlauf ist ein Verlängerungsantrag möglich. Promovierende mit thematisch verwandten Forschungsfragen, die kein Stipendium der Hans Böckler Stiftung beziehen, können dem Kolleg gegebenenfalls als Kollegiatinnen bzw. Kollegiaten assoziiert werden.
Sitz des Ludwig-Rosenberg-Kollegs wird das Moses Mendelssohn Zentrum. In der Potsdamer Innenstadt gelegen (Am Neuen Markt) bietet es gute Voraussetzungen für die wissenschaftliche Arbeit. Am Standort stehen den Kollegiatinnen und Kollegiaten Teile der Infrastruktur des MMZ, der technisch gut ausgestattete Seminarraum und räumliche Arbeitsmöglichkeiten zur Verfügung.
Die Bibliothek des MMZ wird, aufbauend auf einen bereits jetzt vorhandenen umfassenden Bestand zur jüdischen Sozial- und Kulturgeschichte, die für das Forschungsgebiet relevanten Sammelgebiete gezielt weiter ausbauen.
Das MMZ ist als An-Institut der Universität Potsdam dem Historischen Institut sowie dem Studiengang Jüdische Studien angeschlossen, in denen die Prüfungen abgelegt werden können (entsprechend der geltenden Promotionsordnungen). Es partizipiert am Zentrum Jüdische Studien (ZJS). Durch die Einbeziehung von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Berliner Universitäten (FUB, HUB, TUB) können auch hier die Prüfungen abgelegt werden.
Die Stipendiatinnen und Stipendiaten werden ermutigt zur Veröffentlichung von Kurzporträts ihrer Promotionsprojekte im Rundbrief des MMZ „Dialog“, von Rezensionen und Tagungsberichten, kleineren wissenschaftlichen Abhandlungen und Aufsätzen. Hierfür kann ggf. – bei entsprechender Qualität der Arbeiten – auf die wissenschaftlichen Zeitschriften und Schriftenreihen des MMZ zurückgegriffen werden; auch eigenständige Sammelschriften des Kollegs sind anzustreben.

Strukturierte Doktorand/-innen-Ausbildung
Im Rahmen einer dichten Betreuung und begleitenden Unterstützung wird auf folgende Aspekte besonders geachtet:

  • Sinnvolle thematische, theoretische, empirische und zeitlich-/räumliche Eingrenzung des Forschungsgegenstandes
  • Zeitmanagement und Planung des Promotionsprozesses
  • Enger Kontakt zu den Betreuerinnen/Betreuern
  • Kontinuierliche Bearbeitung des Promotionsprojekts
  • Kollegialer Austausch durch Vorstellung von Zwischenergebnisse im Rahmen des Kollegs und von Teilergebnissen in der Fachöffentlichkeit
  • Frühe und kontinuierliche Verschriftlichung
  • (Weiter-) Entwicklung wissenschaftlicher Zusatzqualifikationen

Die Kollegiatinnen und Kollegiaten sollen in die akademische Lehre (Historisches Institut bzw. Jüdische Studien) einbezogen werden, um frühzeitig Lehrerfahrungen erwerben zu können. Eine Kooperation mit der Hochschuldidaktik wird angestrebt.
In Kooperation mit dem Studiengang Jüdische Studien sollen die Kollegiatinnen und Kollegiaten nach Maßgabe der Studienordnung der Universität Potsdam die Möglichkeit zum Spracherwerb bzw. zur Vertiefung der Sprachkenntnisse in Hebräisch und/oder Jiddisch erhalten.

Es wird angestrebt, die Kollegiatinnen und Kollegiaten des Ludwig-Rosenberg-Kollegs an die Aktivitäten der Promovierenden der HBS heranzuführen und zur aktiven Beteiligung (Mitbestimmung, Tagungen, Seminare und Konferenzen, Mitarbeit in Stipendiat_inn_en-Gruppen) zu ermutigen.
Während des Semesters wird ein wöchentliches oder zweiwöchentliches Colloquium durchgeführt, in dem die Kollegiatinnen und Kollegiaten in Anwesenheit ihrer Betreuerinnen bzw. Betreuer Fragen und Zwischenergebnisse ihrer Arbeit vorstellen, darüber hinaus auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bzw. Fellows des MMZ sowie außenstehende Gäste zur Präsentation und Diskussion einladen. Die Teilnahme ist für die Kollegiatinnen und Kollegiaten verbindlich.

Darüber hinaus ist geplant:

  1. Voraussichtlich zwei wissenschaftliche Tagungen.
  2. ca. halbjährliche Arbeitswochenenden an anderem Ort. Diese Wochenenden sollen nicht nur inhaltliche Impulse geben und dem sozialen Austausch dienen, sondern bieten auch die Möglichkeit, im Rahmen kollegialer Beratungen Probleme bei der Bewältigung typischer Krisen im Verlauf der Promotion zu thematisieren bzw. gemeinsam zu bearbeiten.
  3. kleinere Workshops. Diese dienen teils der Vertiefung wissenschaftlicher Arbeitsmethoden, z. B. durch Präsentation ausgewählter textueller und virtueller Forschungsressourcen, teils der Professionalisierung wissenschaftlichen Arbeitens (Schreiben, Edieren, Ausstellen etc.) und sollen damit die Kollegiatinnen und Kollegiaten mittelbar auch mit Berufsfeldern für Promovierte vertraut machen.


Das Begleitprogramm wird – in enger Abstimmung mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten und orientiert an deren forschungspraktischen Bedürfnissen – gemeinsame Exkursionen (mit kompetenter Führung/Begleitung) zu wissenschaftlichen Einrichtungen, fachlich relevanten Bibliotheken und Archiven, Ausstellungen, Museen und Gedenkstätten im Berlin-Brandenburger Raum umfassen.
Die regelmäßige Teilnahme am begleitenden Studienprogramm ist verbindlich und wird bei den Empfehlungen zur Weiterförderung berücksichtigt.

 

Ausschreibung - Ludwig Rosenberg Kolleg

Short Introduction (LRK)

Presse

Das Infomagazin der DGB-Jugend "soli" berichtet in der Ausgabe von August/September 2014 über das Ludwig Rosenberg Kolleg und die ersten Stipendiaten.

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