Aufgaben und Ziele

Wissenschaftliche Fragestellung

Das Forschungsinteresse des MMZ gilt den Schwerpunkten Geschichte, Religion und Kultur der Juden und des Judentums in den Ländern Europas von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart, der Geschichte und Gegenwart des Staates Israel, der Soziologie des Judentums, der Erforschung von Antisemitismus und Rechtsradikalismus, und pädagogisch-didaktischen Aufgaben.

Geschichte, Religion und Kultur der Judenheiten Europas

Ein besonderer Akzent liegt auf der Beziehungsgeschichte zwischen Juden und nicht-jüdischer Umwelt. Die Forschungsarbeiten konzentrieren sich dabei auf Probleme der Integration, Akkulturation und "Assimilation" und auf vergleichende sozialgeschichtliche Fragestellungen wie Lebensbedingungen, soziale und geografische Mobilität. Das Spektrum reicht von Forschungen zu kulturellen, soziokulturellen und ideengeschichtlichen Aspekten in der Zeit der Aufklärung über das 20. Jahrhundert und bis zu den nach Deutschland einwandernden Juden aus der früheren Sowjetunion, deren Integration und dem Wandel der jüdischen Gemeinschaften in Deutschland und Europa in der Gegenwart.

Zionismus, Geschichte und Gegenwart des Staates Israel

Zur Geschichte des Staates Israel gehört als integraler Bestandteil die Geschichte des Zionismus vor der Staatsgründung, die Geschichte des Zionismus nach 1948 und die Geschichte des Staates Israel in historischer, soziologischer, kultureller und demografischer Hinsicht, inklusive der Geschichtsschreibung des Zionismus.

Ebenso steht die heutige israelische Gesellschaft, die von Zuwanderung, hoher wirtschaftlicher Dynamik, raschen Entwicklungen in Wissenschaft, (multi-)kulturellem Wandel, aber auch zahlreichen Konflikten geprägt ist, im Fokus der MMZ-Forschung.

Durch eine vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Gastprofessor „Israel Studies“ wird das Lehr- und Forschungsprofil zur Geschichte und Gegenwart Israels wie auch zu Israels Platz und Rolle im Mittleren Osten weiter ausgebaut. Auch die Beziehungen zwischen Israel und der heutigen jüdischen Diaspora stehen im Fokus.

Antisemitismus und Rechtsradikalismus/Rechtsextremismus

Rechtsradikalismus und Rechtsextremismus bilden in den neuen Bundesländern eine besondere Herausforderung. In Brandenburg konnten während der letzten Jahre relativ erfolgreiche Strukturen und Maßnahmen gefördert und entwickelt werden, um Rechtsextremismus abzuwehren und die demokratische Zivilgesellschaft zu fördern (Brandenburger Modell). Dennoch hat der Rechtsextremismus auch in Brandenburg beunruhigende Dimensionen. In zahlreichen Landkreisen und Kommunen sitzen Rechtsextremisten in den Volksvertretungen. Rechtsextreme Subkulturen sind vor allem auch in jüngeren Bevölkerungsgruppen anzutreffen, rechtsextrem motivierte Straf- und Gewalttaten haben noch immer hohe Werte

Am MMZ wurde 2006 ein eigener Forschungsschwerpunkt „Antisemitismus- und Rechtsextremismusforschung“ eingerichtet, der Studien zum aktuellen Rechtsextremismus in Brandenburg, aber auch in anderen Gebieten der Bundesrepublik durchführt. Die Ergebnisse der bisherigen Studien sind in verschiedene Publikationen eingeflossen und wurden in zahlreichen Veranstaltungen auch der Öffentlichkeit vorgestellt. Zugleich wird wissenschaftliche Beratung für unterschiedliche Institutionen angeboten, die mit dem Phänomen direkt oder indirekt immer wieder konfrontiert werden (Schulen, Sicherheitskräfte, soziale Einrichtungen, Kommunalverwaltungen, Opferverbände u. a.) Die wichtigste Publikation zu diesem Themenkomplex stellte das Handbuch „Rechtsextremismus in Brandenburg. Handbuch für Analyse, Prävention und Intervention“ (2007) dar.

Pädagogische Konzepte

Zum Aufgabenbereich des MMZ gehört es, Juden und Judentum als integralen Bereich europäischer Kultur darzustellen und dem verzerrten Bild von Juden und Judentum durch intensive Zusammenarbeit mit den Medien sowie durch Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen, gemeinsam mit anderen Bildungsträgern, entgegenzuwirken.

Diesem Ziel dient die Arbeit des MMZ an einem Konzept zur Vermittlung von Judentum im Unterricht, das speziell auf den Raum Brandenburg zugeschnitten ist, sowie die Beratung von Ausstellungsprojekten und regionalhistorischen Arbeitsgruppen (Geschichtswerkstätten).

Integriert in dieses Konzept ist auch die in Halberstadt ansässige Moses Mendelssohn Akademie (MMA) als Begegnungsstätte zur Förderung von Toleranz und interkultureller Kommunikation.

Verantwortung übernehmen

Über den eigenen Forschungs- und Lehrbetrieb hinaus sieht das Moses Mendelssohn Zentrum sich verpflichtet, in der deutschen Gesellschaft ein zivilgesellschaftliches Mandat als geisteswissenschaftliche Einrichtung wahrzunehmen. Hierzu gehört eine enge Zusammenarbeit mit den Medien, welche die Vermittlung von Erkenntnissen zur deutsch-jüdischen und europäisch-jüdischen Beziehungsgeschichte, zu den Beiträgen und Wirkungen der jüdischen Kultur innerhalb der europäischen Kultur, zur Situation von religiösen, ethnischen und kulturellen Minderheiten, aber auch zu den Gefahren von altem und neuem Antisemitismus, von Rassismus und Intoleranz sichert.  In einigen Forschungsfeldern (Rechtsextremismus-/Antisemitismusforschung, Migrationsforschung) ergibt sich ganz objektiv die Notwendigkeit, neue Erkenntnisse für die Politikberatung zur Verfügung zu stellen.