Geschichte

Das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) wurde 1992 – im 50. Jahr der Wiederkehr der berüchtigten Wannsee-Konferenz und im 500. Jahr der Vertreibung der Juden aus Spanien - gegründet. Mit Unterstützung der Brandenburgischen Landesregierung wurde das MMZ als ein An-Institut der Universität Potsdam konzipiert, in dem interdisziplinär zur europäisch-jüdischen Geschichte und Gegenwart geforscht wird und das zugleich eigene Themen in die akademische Lehre einbringt. Das MMZ war so maßgeblich beteiligt an der Konzipierung und dem Aufbau des im Wintersemester 1994/1995 an der Universität Potsdam eröffneten Studienganges „Jüdische Studien/Jewish Studies“.

Mit wesentlicher Unterstützung durch das MMZ wurde 1995 eine wissenschaftliche Partnereinrichtung in Sachsen-Anhalt, die Moses Mendelssohn Akademie (MMA) in Halberstadt gegründet. In den Räumen des dortigen ehemaligen Rabbinerseminars ist neben dem Berend-Lehmann-Museum eine Begegnungsstätte zur Förderung von Toleranz und interkultureller Kommunikation – mit pädagogischen Begleitprogrammen – entstanden.

1996 hat das Moses Mendelssohn Zentrum seinen Standort am Neuen Markt in Potsdams historischer Mitte bezogen und ist damit Teil des Verbundes geistes- und sozialwissenschaftlicher Einrichtungen „Forum Neuer Markt“ geworden. Das stetige Wachstum der MMZ-Bibliothek, die Einrichtung von Graduiertenkollegs und das zunehmende Angebot öffentlicher Veranstaltungen führte dazu, dass das MMZ neben Wissenschaftlern, Dozenten und Studenten häufig auch von Pädagogen, Journalisten, Politikern und allgemein interessierten Potsdamer Bürgern frequentiert wird. Im Mai 2007 wurde das MMZ als „Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet. Im Rahmen der Standortinitiative „Land der Ideen“ unter der Schirmherrschaft des damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler wurde das Projekt „Bibliothek verbrannter Bücher“ ausgewählt.

In den vergangenen Jahren hat das MMZ einerseits die eigene Forschung stärker international vernetzt, andererseits aber auch zunehmendes Gewicht auf eine möglichst breite Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse zur jüdischen Geschichte und Gegenwart gelegt. Letzterem dienten neben einer großen Anzahl an Publikationen auch Wanderausstellungen u .a. zum Prozess gegen Alfred Dreyfus, zum Wirken Theodor Herzls und der israelischen Gesellschaft heute, zur Geschichte des Jüdischen Krankenhauses in Berlin, zum Philosophen und Publizisten Theodor Lessing, zum Preußischen Emanzipationsedikt von 1812 und zur Geschichte sämtlicher Synagogen auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg.

Seit Beginn des neuen Millenniums wurde die Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen im Ausland – hierbei insbesondere in den USA und in Israel – ausgebaut und verstärkt. In Kooperation u. a. mit der Brandeis University (Waltham, Massachusetts), der Augusta State University (Georgia)  und der Tel Aviv University wurden Studien zu transnationaler jüdischer Migration nach 1989 und zur Entwicklung des europäischen Judentums nach dem Ende des Kalten Krieges begonnen.

Seit 2010 beteiligte sich das MMZ intensiv am Aufbau des Zentrums Jüdische Studien Berlin-Brandenburg (ZJS), eines vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten und 2012 eröffneten Netzwerkes, dem ebenso die Freie Universität Berlin (Judaistik), die Humboldt-Universität zu Berlin (Kulturwissenschaften), die Technische Universität Berlin (Zentrum für Antisemitismusforschung), die Universität Potsdam (Jüdische Studien) und das Abraham Geiger Kolleg (AGK) angehören. Das ZJS fördert Synergieeffekte zwischen den genannten Einrichtungen und ermöglicht gemeinsame inhaltliche Profilierungen.

Mit Unterstützung durch die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) wurde im Mai  2010 am MMZ das Walther Rathenau Kolleg „Liberalismus und Demokratie“ eingerichtet. Eine weiteres Graduierten Kolleg, das Ludwig Rosenberg Kolleg, nahm am MMZ im Sommer 2013 mit Unterstützung der Hans Böckler Stiftung seine Arbeit auf. Hier forschen Doktoranden zu ausgewählten Themen des Bereiches „Arbeiterbewegung und Judentum“.