Antisemitische Vorfälle im Jahr 2020 im Land Brandenburg

Antisemitische Vorfälle im Jahr 2020 im Land Brandenburg

Der vorliegende Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Brandenburg (RIAS Brandenburg) zieht eine vorläufige Bilanz für das Jahr 2020 zum Aufkommen antisemitischer Vorfälle im Land Brandenburg.

Der Bericht als Download (PDF-Dokument, 1,4MB):
Antisemitische Vorfälle 2020 – Ein Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus Brandenburg (RIAS Brandenburg); Fachstelle Antisemitismus Brandenburg

 

Pressemitteilung

Meldestelle registriert leichten Anstieg von antisemitischen Vorfällen in Brandenburg

Anstieg von antisemitischen Vorfällen im Zusammenhang mit der Verbreitung von Verschwörungsmythen

 

Im vergangen Jahr dokumentierte RIAS Brandenburg 141 antisemitische Vorfälle. Im Vergleich zum Vorjahr wurden der Meldestelle vier Vorfälle mehr gemeldet. Mit sechs antisemitischen Angriffen blieb das Ausmaß körperlicher Gewalt in Brandenburg im Vergleich zum Vorjahr konstant. Die Zahl der Bedrohungen sank leicht auf 18 Fälle 2020 gegenüber 29 Fällen 2019. Gleiches gilt für die Zahl gezielter Sachbeschädigungen gegen jüdische Einrichtungen sowie Gedenkstätten und Gedenkorte. Hier waren es 2020 13 Fälle gegenüber 17 Fällen 2019. Die Zahl der Vorfälle verletzenden Verhaltens stieg hingegen auf 102 Fälle gegenüber 82 Fällen 2019.
 
Hierzu erklärt Peter Schüler, Leiter der Fachstelle Antisemitismus: „Antisemitische Vorfälle bleiben in Brandenburg auf einem hohen Niveau. Besondere Sorge bereitete uns im letzten Jahr die Verbreitung von antisemitischen Verschwörungsmythen im Zusammenhang mit der Corona-Krise, die uns auch gegenwärtig weiterhin begleiten“.
 
Für das Jahr 2020 bewirkte die Corona-Krise Einschränkungen des öffentlichen Lebens, aber auch eine Verbreitung von Verschwörungserzählungen und Protesten gegen staatliche Coronamaßnahmen auf der Straße. 19 antisemitische Vorfälle wiesen 2020 einen Bezug zur Coronakrise auf, 13 davon im Rahmen von Versammlungen.
 
„Wir beobachten eine Zunahme von antisemitischen Stereotypen und Symbolen sowie Vergleichen und Verharmlosungen des Nationalsozialismus, als Reaktionen auf die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie“, so Dorina Feldmann, Mitarbeiterin von RIAS Brandenburg und der Fachstelle Antisemitismus. „Diese Tendenz verbirgt die Gefahr Anfeindungen gegenüber Jüdinnen und Juden, jüdischen Einrichtungen sowie solchen, die als Projektionen ausgemachte Feind_innen wie etwa Politiker_innen, die Presse oder die Polizei zu normalisieren“.
 
Mit jeweils der Hälfte des Gesamtanteils waren die häufigsten Erscheinungsformen des Antisemitismus im vergangen Jahr der Post-Schoa-Antisemitismus, also Formen des Antisemitismus, die sich positiv auf den Nationalsozialismus und der Abwehr von Erinnerung an diesen beziehen und antisemitisches Othering. So bezogen sich beispielsweise mehrere Vorfälle im Januar auf den 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz. Der Anteil der Vorfälle, die den Erscheinungsformen des modernen Antisemitismus zugerechnet werden konnten, stieg von acht auf knapp 18 Prozent. Auch bei Vorfällen mit der Erscheinungsform israelbezogener Antisemitismus gab es einen starken Anstieg mit elf Vorfällen 2020 gegenüber einem Vorfall 2019.
 
Ein Großteil der Vorfälle der Gesamtheit (31,9 %) ist eindeutig dem rechtsextremen bzw. rechtspopulistischen Hintergrund zuzuordnen. Eine Zunahme von Vorfällen konnte außerdem im verschwörungsideologischen Milieu dokumentiert werden. Über der Hälfte aller Vorfälle (56,7 %) konnte keinem politischen oder weltanschaulichen Hintergrund eindeutig zugeordnet werden.
 
RIAS Brandenburg ist ein Projekt der Fachstelle Antisemitismus Brandenburg, die beim Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien angesiedelt ist und durch das Handlungskonzept „Tolerantes Brandenburg“ gefördert wird.

Pressemitteilung als PDF-Download (0,5MB): Pressemitteilung – Antisemitische Vorfälle 2020 im Land Brandenburg; Fachstelle Antisemitismus, 10. Juni 2021

Kontakt für Nachfragen:
Dorina Feldmann
Tel.: 0331 58567912
Email: feldmann [at] fachstelle-antisemitismus-bb.de

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