Der Babel-Bibel-Streit und die Wissenschaft des Judentums

Bearbeitung: Dr. Thomas L. Gertzen

 

Gemeinsam mit der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe 2615 „Rethinking Oriental Despotism“ am Institut für Altorientalistik der Freien Universität Berlin richtet das MMZ eine internationale Tagung zum Thema „Der Babel-Bibel-Streit und die Wissenschaft des Judentums“ aus.

 

Die Veranstaltung wird gefördert durch die Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung und die Moses Mendelssohn Stiftung.

 

Kurzbeschreibung

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erlebte Berlin eine heftige Auseinandersetzung zwischen den Vertretern der noch jungen Wissenschaft der Altorientalistik und der protestantischen Theologie bzw. kirchlicher Kreise. Auslöser waren populäre Vorträge des Assyriologen Friedrich Delitzsch, in welchen dieser ein Primat keilschriftlicher Überlieferungen vor den Schilderungen der Bibel behauptet hatte, bzw. letztere auf babylonische Vorlagen zurückführte. Da ihm hierin zunächst auch der archäologiebegeisterte Kaiser Wilhelm II. beigepflichtet hatte, entwickelte sich die Auseinandersetzung zu einem Politikum. Dabei ist dieser Konflikt vor dem Hintergrund eines Emanzipationsbemühens der deutschen Orientalistik, oder der „furious Orientalists“ (Suzanne Marchand) zu sehen, die sich aus der Rolle einer Hilfswissenschaft der Theologie befreien wollten.

Obwohl der Babel-Bibel-Streit hinlänglich und teilweise kontrovers in der Forschungsliteratur behandelt worden ist, bestehen noch einige Desiderata: So z.B. mit Bezug auf die Reaktionen der Vertreter des deutschen Judentums, insbesondere im Hinblick auf die wissenschaftsgeschichtliche Entwicklung der „Wissenschaft des Judentums“ (und hinsichtlich möglicher konfessioneller Konflikte innerhalb des orientalistischen Wissenschaftsbetriebes. In diesem Zusammenhang sind auch Delitzsch’ antisemitische Veröffentlichungen aus den frühen 20er Jahren anzuführen, die stark mit der teilweise relativ großen Gleichgültigkeit anderer Altorientalisten (jüdischer Herkunft) zu der gesamten Frage kontrastieren.

 

Tagungskonzept

Die Themenfelder deutsch-jüdischer Bibelwissenschaft und Geschichte der Wissenschaft des Judentums sind in jüngster Zeit intensiv in der Berliner Forschungslandschaft diskutiert worden und bilden einen Forschungsschwerpunkt am Moses Mendelssohn Zentrum. Die Berliner Altorientalistik hat sich ihrerseits intensiv mit dem „Mythos“ Babylon sowohl in Ausstellungen als auch in Publikationen auseinandergesetzt.

Die Wechselwirkungen und Konflikte zwischen den sich zum Ende des 19. Jahrhunderts weiter etablierenden Orientwissenschaften einerseits und der ausschließlich außeruniversitären Wissenschaft des Judentums andererseits rücken dabei in den Fokus.

Die Tagung soll daher Vertreter der Altorientalistik, der Jüdischen Studien, Theologie und (Wissenschafts-)Geschichte zusammenbringen, um die verschiedenen Aspekte des Babel-Bibel-Streits als „Typological Event“ zu beleuchten und damit einen Beitrag zur Fachgeschichte der Altorientalistik und ihrer konfessionellen Hintergründe zu leisten.

Als Schwerpunkte bzw. „Panels“ sind vorgesehen:

 

  • „Furious Orientalists“? – Die Geschichte der Assyriologie in Deutschland
  • „Textkritik“ und konfessionelle Konflikte
  • Wissenschaft des Judentums und „akademischer“ Antisemitismus
  • Wissenschaft und Öffentlichkeit – Mäzenatentum, Publikationen und Orientrezeption
  • Sprache, Rasse und Philologie

 

Veranstaltungszeitraum: 4.-6. November 2019

Veranstaltungsort: Heilig-Geist-Kapelle in der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin; Spandauer Straße 1; 10178 Berlin

Weitere Information per E-Mail: sekretariat-kofo@geschkult.fu-berlin.de

 

Einen Flyer zur Tagung finden Sie hier.

 

Weitere Informationen (FU Berlin)
http://www.geschkult.fu-berlin.de/e/rod/aktivitaeten/Workshops/Babel-und-Bibel.html