Wissenschaftliche Studie: Asylfeindliche Aufmärsche in Brandenburg gehen zurück

Emil Julius Gumbel Forschungsstelle des MMZ erforscht Antisemitismus und Rechtsextremismus

"Brandenburger Asylfeinde demonstrieren seltener" - Mitteilungen der Emil Julius Gumbel Forschungsstelle; Potsdam, Januar 2017, Ausgabe 1 (PDF-Dokument)

Einladung zur Pressekonferenz
Zeit: Mittwoch, 25.1.2017, 11:00 Uhr
Ort: Moses Mendelssohn Zentrum, Am Neuen Markt 8, Potsdam (Seminarraum)

Die Zahl rechtsextremer und asylfeindlicher Aufmärsche in Brandenburg ist in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen. Insgesamt fanden indes 2016 ungefähr gleich viele Aufmärsche statt wie im Vorjahr. Zu diesem Ergebnis kommen Wissenschaftler des Moses Mendelssohn Zentrums Potsdam in einer aktuellen Studie.

Mit der Studie stellt die neue Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus am MMZ erste Forschungsergebnisse der Öffentlichkeit vor. In Erinnerung an einen frühen Mahner vor dem Nationalsozialismus wird sie den Namen Emil Julius Gumbel Forschungsstelle (EJGF) tragen.

Die meisten asylfeindlichen Aufmärsche in Brandenburg fanden im ersten Halbjahr 2016 statt. Anschließend beruhigte sich die Situation. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die Christoph Schulze vom Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien erarbeitet hat. In der Summe wurden annähernd gleichviele Aufmärsche registriert, wie im Vorjahr. Unterschiedliche Gruppen riefen zu den Kundgebungen und Demonstrationen auf – darunter die NPD, Neonazis, bürgerliche Protestinitiativen und die AfD. Dennoch kann man von einem vernetzten Protestmilieu in Brandenburg ausgehen. Am stärksten betroffen waren das Havelland und der Landkreis Elbe-Elster. Auch in Potsdam kam es zu vielen Kundgebungen. Der Ton wurde im Jahresverlauf zunehmend aggressiver. Die Ergebnisse beruhen auf einer intensiven Auswertung der Mobilisierungsplattformen für diese Aufmärsche. Facebook ist das wichtigste Medium. Die Studie liefert interessante Einsichten in die Informations- und Kommunikationswege des Protestpotenzials. So informieren sich die Angehörigen des fremdenfeindlichen Protestmilieus zu einem bedeutenden Teil aus den Regionalmedien, beispielsweise der Märkischen Allgemeinen Zeitung, der Lausitzer Rundschau oder der Märkischen Oderzeitung, und greifen erst dann auf einschlägige Medienangebote zurück.
Gleichzeitig mit der Studie stellt Prof. Julius H. Schoeps, Gründungsdirektor des MMZ, die neue Forschungsstelle Antisemitismus und Rechtsextremismus der Öffentlichkeit vor. Ihr Aufbau war Ende 2015 durch die Landesregierung beschlossen worden. Die Forschungsstelle wird den Namen von Emil Julius Gumbel tragen. Der Mathematiker jüdischer Herkunft hatte in den 1920ern mit wissenschaftlichen Methoden die Netzwerke der extremen Rechten in der Weimarer Republik untersucht.
Dr. Gideon Botsch, Privatdozent an der Universität Potsdam und Leiter der Forschungsstelle, erläutert ihre künftigen Arbeitsschwerpunkte. Im Aufbau befindet sich eine Spezialdokumentation über das rechtsextreme Milieu, die einen besonderen Schwerpunkt auf das Land Brandenburg legt. Auch für die Forschungen ist geplant, die Entwicklung in der Region besonders im Auge zu behalten. Damit wird die Emil Julius Gumbel Forschungsstelle zur Auseinandersetzung mit rechtsextremen Herausforderungen im Land beitragen. Die bisherige Kooperation mit staatlichen und zivilgesellschaftlichen Akteuren – wie dem Aktionsbündnis Brandenburg gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt, der Opferperspektive e. V. oder den Mobilen Beratungsteams – wird fortgesetzt.

Über Ihr Kommen würden wir uns sehr freuen.

Rückfragen gern unter 0331 – 280 94 13 (PD Dr. Gideon Botsch, Christoph Schulze)

Emil Julius Gumbel Forschungsstelle (EJGF)
Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien – Universität Potsdam
Am Neuen Markt 8, 14467 Potsdam
Tel.: +49-331-28094-13
Fax: +49-331-28094-50
www.mmz-potsdam.de