Walther Rathenau Kolleg

Graduiertenkolleg

zum Thema

Liberalismus und Demokratie
Zur Genealogie und Rezeption politischer Bewegungen von der Aufklärung bis zur Gegenwart

 

Homepage des Walther Rathenau Kolleg

 

Das Moses Mendelssohn Zentrum (MMZ) und die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit (FNF) haben im April 2009 ein gemeinsames Graduiertenkolleg gegründet, das von den beiden Einrichtungen sowie von Professoren der Universitäten der Region (Universität Potsdam, Humboldt-Universität, Freie Universität) getragen wird.

 

Ausgangslage

Die gegenwärtigen Umstrukturierungsprozesse an den deutschen Hochschulen, insbesondere die Umstellung auf Bachelor und Master, haben in den vergangenen Jahren für viel Bewegung gesorgt und werden auch weiterhin eine große Herausforderung bleiben. Universitäten stehen heute vor der Aufgabe, ein eigenes Profil zu entwickeln und damit die Voraussetzung zu schaffen, auf bestimmten Gebieten exzellente Leistung zu erzielen. Die Massenuniversität ist Vergangenheit, die Zukunft liegt in kleinen Forschungsverbänden, die aber einem großen wissenschaftlichen Kontext eingebettet sind. Hier setzt auch die Exzellenzinitiative des Bundes an, die „Leuchttürme der Wissenschaft“ etablieren und damit zu einer Förderung der Spitzenforschung in Deutschland beitragen möchte. Diesem Gedanken fühlt sich das Moses Mendelssohn Zentrum verpflichtet.
Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit unterstützt diesen Weg, in dem der Wissenschaft stärkere Freiheiten eingeräumt und der Wettbewerb in der Wissenschaftslandschaft gefördert wird. Insbesondere aus der Perspektive der Begabtenförderung besteht die wachsende Anforderung an qualifizierter Unterstützung und Profilierung der von ihr geförderten Doktoranden. Die Kooperation beider Institutionen eröffnet somit die Möglichkeit, Exzellenzförderung und Begabtenförderung zu verbinden.

 

Walther Rathenau

Der Industrielle, Publizist und Politiker Walther Rathenau (1867-1922) gehört zu den bedeutendsten deutsch-jüdischen Persönlichkeiten des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Als Sohn eines Industriellen wird Walther Rathenau in das weitgehend assimilierte Berliner jüdische Bürgertum hineingeboren. 1883 gründet sein Vater die Deutsche Edison-Gesellschaft, welche 1887 in Allgemeine Electrizitäts-Gesellschaft (AEG) umbenannt wird. Walther Rathenau durchläuft nach seinem Studium der Physik, Chemie und Philosophie in Berlin und Straßburg sowie des Maschinenbaus in München verschiedene Ämter innerhalb der AEG und publiziert gleichzeitig zahlreiche Schriften. In diesen viel beachteten Texten beschäftigt er sich zunächst mit geschichtsphilosophischen, später auch mit politischen und ökonomischen Themen. Als Mitglied der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die er auch als Wirtschaftssachverständiger berät, tritt er sein erstes politisches Amt als Reichsminister für Wiederaufbau (1921) an und löst damit auch alle Verbindungen zur Wirtschaft. Ein Jahr später wird er zum Außenminister ernannt und in dieser Funktion 1922 von Mitgliedern der republikfeindlichen Organisation Consul erschossen.
Sein gewaltsamer Tod ist in im deutschen Geschichtsbewusstsein bis heute präsent, die komplexe Persönlichkeit Walther Rathenaus und die Vielschichtigkeit nicht nur seines politischen und wirtschaftlichen Wirkens, sondern auch seines publizistischen Engagements sind hingegen weitgehend in Vergessenheit geraten. Auch wenn die Erforschung seiner Biographie nicht im Vordergrund des geplanten Graduiertenkollegs steht, so fokussiert sich in Rathenaus Leben und Werk sowohl deutsche Ideen- und Demokratiegeschichte als auch deutsch-jüdische Geschichte in einzigartiger Weise und bietet damit den idealen Rahmen für den gewählten Themenschwerpunkt „Liberalismus und Demokratie“.

 

Themen des Graduiertenkollegs

Aus dem Gedanken der gemeinsamen Zielsetzung des Moses Mendelssohn Zentrums und der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit erwuchs die Idee, ein nach Walther Rathenau benanntes Graduiertenkolleg zum Thema „Liberalismus und Demokratie“ am Moses Mendelssohn Zentrum zu etablieren, das den Gedanken der (Graduierten- und) Exzellenzförderung aufnimmt und umsetzt.
Das interdisziplinär angelegte Thema eröffnet Möglichkeiten für verschiedene Forschungsansätze. So werden im Rahmen des Walther-Rathenau-Graduiertenkollegs Dissertationen gefördert, die sich aus unterschiedlicher Perspektive Themen und Themenfeldern widmen, die im Zusammenhang mit Liberalismus und/oder demokratischen Bewegungen seit dem 18. Jahrhundert stehen.

Forschungsthemen, die aus Sicht verschiedener Wissenschaftsdisziplinen bearbeitet werden sollen (z.B. Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsgeschichte, Politikwissenschaft, Literaturwissenschaft, Gender Studies usw.) liegen u.a. in folgenden Feldern:

  • Die französische Revolution von 1789 als Ausgangspunkt eines europäischen Liberalismus
  • Entstehung demokratischer Bewegungen und des modernen Liberalismus in Europa seit dem frühen 19. Jahrhundert
  • Die Revolution 1848/49 und ihre Folgen im europäischen Kontext
  • Antisemitismus und die Kritik der politischen Moderne
  • Bürgertum und liberaldemokratische Entwicklungen in Mitteleuropa
  • Die Entstehung und Entwicklung der Frauenbewegung vor dem Hintergrund einer liberalen Demokratie
  • Entwicklung demokratischer und liberaler Bewegungen und Parteien im 19. und 20. Jahrhundert
  • Der Aufstieg des Nationalsozialismus in Deutschland und die Krise des Liberalismus in der Weimarer Republik
  • Kontinuitäten und Diskontinuitäten im deutschen und europäischen Nachkriegsliberalismus
  • Neue Liberalität und die Wende zur Demokratie in Mittel- und Osteuropa seit 1989/1990
  • Krise und Zukunft des demokratischen Verfassungsstaates
  • Liberaldemokratische Erinnerungskulturen im europäischen Vergleich
  • Genealogien liberaler Gesellschaften in Europa
  • Jüdische Biographien in der liberalen Bewegung


wobei seitens der FNF laut Vorstandsbeschluss die folgenden fünf Schwerpunkte bevorzugt gefördert werden sollen:

  1. Die Entstehung und Entwicklung einer bürgerlichen Frauenbewegung vor dem Hintergrund der Liberalisierung europäischer Gesellschaften
  2. Kontinuitäten und Diskontinuitäten im europäischen Nachkriegsliberalismus
  3. Krise und Zukunft des demokratischen Verfassungsstaates
  4. Liberaldemokratische Erinnerungskulturen im europäischen Vergleich
  5. Jüdische Biographien in den liberalen Bewegungen

 

Ausstattung und Organisation des Graduiertenkollegs

Das Graduiertenkolleg ist mit der folgenden Ausstattung versehen:
- 15 Doktorandenstipendien (zunächst befristet auf ein plus ein Jahr mit der Möglichkeit, das Stipendium um ein weiteres (drittes) Jahr zu verlängern) – je Bewerbertermin werden 5 Stipendien vergeben
- 5-10 Kollegiaten (ohne Stipendium)
- Mittel für Reisekosten, Sachmittel und Gastwissenschaftler (werden von der Moses Mendelssohn Stiftung zur Verfügung gestellt)
Die Stipendien werden offiziell ausgeschrieben. Die Bewerber müssen das Auswahlprocedere der FNF durchlaufen. Sie unterliegen den gleichen Kriterien wie alle anderen Bewerber der Stiftung. Der Start des Stipendienprogramms ist April 2010.
Während des Semesters findet jede Woche ein Kolloquium statt. In diesem Rahmen stellen die Promovierenden regelmäßig ihre Projekte vor, wobei aber auch Gastwissenschaftler und Fellows zum Vortrag eingeladen werden. Die regelmäßige Teilnahme an diesem Kolloquium ist verpflichtend. Halbjährliche Arbeitswochenenden für die gemeinsame Erarbeitung theoretischer Grundlagen sowie gemeinsame Publikationsprojekte und die Organisation entsprechender Tagungen sind geplant. Vorgesehen sind u.a. auch zwei Nachwuchstagungen, die den Teilnehmer des Graduiertenkollegs einen Austausch mit anderen Doktoranden ermöglichen, sowie eine große Fachkonferenz, die zugleich als offizielle Abschlussveranstaltung des Graduiertenkollegs präsentiert werden könnte.

 

Rahmenbedingungen

Den Stipendiaten und Kollegiaten steht die gesamte Infrastruktur des Moses Mendelssohn Zentrums zur Verfügung. Die Bibliothek wird in den nächsten Monaten einen Schwerpunkt zum Thema „Liberalismus und Demokratie“ aufbauen; spezielle Literaturwünsche der Kollegiaten können in jedem Fall per Fernleihe bestellt und gegebenenfalls auch angeschafft werden. Die Bibliothekarinnen stehen ebenso wie die wissenschaftlichen Mitarbeiter des Moses Mendelssohn Zentrums für fachliche Beratungen zur Verfügung; außerdem besteht für die Stipendiaten und Kollegiaten die Möglichkeit, an den zahlreichen Konferenzen des Zentrums teilzunehmen und gegebenenfalls auch eigene Konferenzen durchzuführen. Auf Vorschlag der Stipendiaten und Kollegiaten können auch Fellows für kürzere oder längere Aufenthalte eingeladen werden.
Den Stipendiaten steht zudem die gesamte Infrastruktur der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zur Verfügung. Forschungsmöglichkeiten über das Archiv des Liberalismus, das Liberale Institut sowie im Netzwerk der (Alt-)Stipendiaten sind möglich. Darüber hinaus nehmen die Stipendiaten des Kollegs an der ideellen Förderung teil. Die Stipendiaten unterliegen den gleichen Rechten und Pflichten wie alle Stipendiaten der FNF.

 

Hochschullehrerinnen und -lehrer

Die folgenden Hochschullehrer haben ihre Bereitschaft erklärt, sich an dem Graduiertenkolleg zu beteiligen und Doktorand zu betreuen:

  • Professor Dr. Iwan-Michelangelo D'Aprile (Europäische Aufklärung/Universität Potsdam)
  • Professor Dr. Thomas Brechenmacher (Neuere Geschichte, deutsch-jüdische Geschichte/Universität Potsdam)
  • Professorin Dr. Christina von Braun (Kulturwissenschaften/Humboldt-Universität Berlin)
  • Professor Dr. Hajo Funke (Politik und Kultur/Freie Universität Berlin)
  • Professor D. Helmut Peitsch (Neuere deutsche Literatur, 19. und 20. Jahrhundert/ Universität Potsdam)
  • Professorin Dr. Gertrud Pickhan (Geschichte Ostmitteleuropas/Freie Universität Berlin)
  • Professor Dr. Martin Sabrow (Professor für Neueste Geschichte und Zeitgeschichte/ Humboldt-Universität Berlin)
  • Professor Dr. Julius H. Schoeps (Sprecher/Moses Mendelssohn Zentrum)

Weitere Professoren oder unterstützende Institutionen können bei Interesse im Verlauf des Projektes mit einbezogen werden.

 

Bewerbungsverfahren

Bewerberinnen und Bewerber senden die vollständigen Unterlagen fristgerecht an die FNF per E-Mail:

  • Bewerbungsbogen unter www.stipendium.freiheit.org
  • Lebenslauf mit wiss. Werdegang
  • Zeugniskopien
  • Exposé des Forschungsprojektes von ca. 3 Seiten
  • zwei Namen von Referenzen [kein Empfehlungsschreiben]


Die Bewerbungstermine werden im Internet veröffentlich.
Die beteiligten Professoren prüfen die eingereichten Dissertationsprojekte auf Wissenschaftstauglichkeit und schlagen der FNF Kandidaten für die Auswahlgespräche vor. Die Kandidaten müssen sodann zwei Fachgutachten von Hochschulprofessoren sowie die Zulassung zur Promotion nachreichen. Im Februar bzw. August finden die Auswahlgespräche in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach statt.
Zum 1. April und 1. Oktober eines Jahres beginnt die Förderung mit Stipendien der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit.

 

Kontakt

Dr. Elke-Vera Kotowski
Moses Mendelssohn Zentrum
für europäisch-jüdische Studien
Am Neuen Markt 8
14467 Potsdam
Tel.: (+49)331/28094-12
Fax: (+49)331/28094-50
kotowski@uni-potsdam.de
www.mmz-potsdam.de

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Begabtenförderung
Karl-Marx-Straße 2
14482 Potsdam
Tel.: (+49)331/7019349
Fax: (+49)331/70192122
stipendium@freiheit.org
www.stipendium.freiheit.org

 

Ausschreibung der Stipendien des Walther Rathenau Kollegs

Die Berwerbung ist per email zu richten an: stipendium@freiheit.org [mehr ... ]

Ansprechpartner

Für Fragen und Informationen steht Ihnen Dr. Elke-Vera Kotowski im Moses Mendelssohn Zentrum zur Verfügung weitere Ansprechpartner: [mehr ... ]

Bewerbungsunterlagen für das Walther-Rathenau-Kolleg

Die Bewerbungsfrist für ein Stipendium im Walther-Rathenau-Kolleg ist abgelaufen. Sie können jedoch eine Bewerbung im allgemeinen Auswahlverfahren der Friedrich-Naumann-Stiftung einreichen. Weitere Informationen finden Sie unter www.stipendium.freiheit.org. [mehr ... ]

Homepage

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Biographie Walther Rathenau

Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit - Begabtenförderung

Short Introduction (WRK)