J’accuse … ich klage an! Zur Affäre Dreyfus – Wanderausstellung zum Jahresauftakt in Hannover

-

J’Accuse…! Mit dieser Überschrift eines offenen Briefes Emile Zolas, 1898 an den französischen Präsidenten gerichtet, erreichte der öffentliche Streit um die Affäre Dreyfus seinen Höhenpunkt. Vier Jahre zuvor war der jüdische Hauptmann Alfred Dreyfus zu Unrecht des Landesverrats angeklagt und zu lebenslänglicher Verbannung auf der Teufelsinsel verurteilt worden. Dreyfus wurde verdächtigt, der Verfasser jenes Bordereaus (Anschreibens) zu sein, das die Preisgabe geheimer Militärinformationen an die Deutschen ankündigte. Trotz gegenteiliger Schriftgutachten und vieler Beweise, die für die Unschuld Dreyfus’ sprachen, kam es auch in einem Wiederaufnahmeverfahren 1899 zu einer erneuten Verurteilung. In Anbetracht der Unruhe, die dieser Justizskandal nicht nur in Frankreich verursachte und der bevorstehenden Weltausstellung in Paris (1900), entschloss sich die französische Regierung 10 Tage nach der Urteilsverkündung zur Amnestie. Eine endgültige Rehabilitierung erfuhr Alfred Dreyfus allerdings erst 1906 mit der Wiederaufnahme in die Armee und der Ernennung zum Ritter der Ehrenlegion.

Anlässlich des 70. Todesjahres Dreyfus’ hat das Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien 2005 unter Beteiligung Studierender der Universität Potsdam und geleitet von Dr. Elke-Vera Kotowski, eine Wanderausstellung konzipiert, die Einblicke in die tief greifenden Auswirkungen bietet, die diese Affäre auf Politik und Gesellschaft des fin de siècle in Frankreich, Europa und der Welt hatte. Dabei stehen neben Dreyfus Personen aus dem Militär, der Politik und der Justiz ebenso im Mittelpunkt wie Journalisten, Schriftsteller und Künstler.

Den Grundstock der Ausstellung bildet die Beitler Collection. Die amerikanische Erziehungswissenschaftlerin Lorraine Beitler (New Jersey) hat in den letzten drei Jahrzehnten Exponate zur Dreyfus-Affäre aus aller Welt zusammengetragen. 2002 übergab sie ihre umfangreiche Kollektion, die ca. 1.600 Ausstellungsstücke umfasst, an die University of Pennsylvania. Faksimile von etwa 100 Dokumenten aus dieser Sammlung werden in der Ausstellung zu sehen sein, darunter zahlreiche zeitgenössische Presseerzeugnisse, Briefe, Fotos, Karikaturen sowie Archivalien aus dem Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes in Berlin.

Die Ausstellung will vor allem junge Menschen erreichen. Durch Aufklärung und Auseinandersetzung mit der Dreyfus-Affäre soll deren Sensibilität gegenüber Vorurteilen, insbesondere antisemitischen Zuschreibungen geweckt werden. Die Dreyfus-Affäre steht als Synonym für politischen Radikalismus und antijüdische Propaganda, den Einfluss von Medien auf die öffentliche Meinung aber darüber hinaus auch für den Einsatz Einzelner für einen Unschuldigen und die Notwenigkeit von Toleranz in einer offenen Gesellschaft. Die Dreyfus-Affäre stellt somit einen zeitlosen Aufruf für Gerechtigkeit und Gleichheit dar, der den Menschen überall auf der Welt allgemeingültige Lehren vermittelt.

 

vorherige Ausstellungsorte u.a.

Führungsakademie der Bundeswehr, Hamburg

Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte, Potsdam

Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum, Berlin

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden

Lazarettregiment 31, Blücher-Kaserne Berlin

Sanitätskommando II, Rheinkaserne Koblenz

Helmut-Schmidt-Universität, Hamburg

 

Gefördert und unterstützt wurde das Ausstellungsprojekt von:

Ministerium des Innern des Landes Brandenburg

Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg

Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg

Moses Mendelssohn Stiftung

Friedrich-Christian Flick-Stiftung gegen Fremdenfeindlichkeit Rassismus und Intoleranz

Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“

Bundesministerium der Verteidigung

Ort: Liberale Jüdische Gemeinde Hannover, Gemeindezentrum Etz Chaim, Fuhsestr.6, 30419 Hannover

Zurück