NGO-Bündnis legt Maßnahmenkatalog gegen Antisemitismus vor

Berlin, 14. 03. 2016: Anlässlich der Internationalen Konferenz gegen Antisemitismus (ICCA) in Berlin, zu der heute Bundeskanzlerin Angela Merkel als Rednerin erwartet wird, fordert das „Netzwerk zur Bekämpfung und Erforschung des Antisemitismus“ (NEBA) die Umsetzung umfangreicher Maßnahmen gegen Judenfeindschaft und Israelhass.

„Immer mehr Juden in Deutschland sind verunsichert und haben Angst sich in der Öffentlichkeit zu ihrer Identität zu bekennen“, berichtet Anetta Kahane, Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung. Die Direktorin des AJC Berlin Ramer Institutes Deidre Berger ergänzt: „Diese Sorgen werden durch die anhaltende Einwanderung von Flüchtlingen aus Ländern, in denen Antisemitismus und Israelhass weit verbreitet sind - oder sogar zur Staatsideologie gehören - verstärkt.“

Der von NEBA vorgelegte 10-Punkte-Plan fordert daher u.a. eine verpflichtende Auseinandersetzung mit den Themen Antisemitismus, Judentum, Holocaust und Israel in Integrationskursen für Flüchtlinge und Einwanderer. Auch im Schulsystem wird ein Mangel attestiert: Schüler sollen im Unterricht mehr über jüdische Geschichte und Gegenwart, sowie über das deutsch-israelische Verhältnis erfahren. „Die Ergebnisse der Deutsch-Israelischen Schulbuchkommission müssen daher umgesetzt werden. Israel darf nicht länger als Aggressor dargestellt werden“, sagt Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrums.

Die Veröffentlichung erscheint vor dem Hintergrund neu veröffentlichter Zahlen über antisemitische Hassgewalt. Allein in der Hauptstadt seien laut einem Bericht der Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus 34% mehr judenfeindliche Übergriffe und Anfeindungen erfasst worden.

Das Bündnis spricht sich in dem 10-Punkte-Forderungskatalog daher für eine Null-Toleranz-Politik gegenüber antisemitischen Hassdemonstrationen und Organisationen, ein sofortiges Einschreiten bei Hassparolen durch die Polizei, die umgehende öffentliche Verurteilung durch politische Instanzen und ein konsequentes Vorgehen gegen antisemitische Organisationen wie Hamas, Hisbollah und IS aus.

Das Netzwerk NEBA  wurde im Frühjahr 2015 vom American Jewish Committee (AJC), der Amadeu Antonio Stiftung und dem Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien (MMZ) mit dem Ziel gegründet, jüdische Perspektiven zum Thema Antisemitismus zum Ausdruck zu bringen.

Der Aktionsplan finden Sie hier.