Konferenz Rechtsextremismus in Brandenburg – Rückblicke, Bestandsaufnahme und Perspektiven

In den frühen 1990er Jahren sah sich das wiedervereinigte Deutschland mit einer bis dahin beispiellosen ausländerfeindlichen, rassistischen und neonazistischen Mobilisierung unter Teilen der Jugend und einer Welle schwerer Gewalt- und Straftaten konfrontiert. Darunter fallen auch die Brandanschläge auf die Gedenkstätte Sachsenhausen und die Gedenkstätte Belower Wald.

Bis heute existiert vor allem in den neuen Bundesländern eine relativ starke rechtsextreme Bewegung mit einem ideologisch verfestigten Bewegungskern. Seit Mitte der 1990er Jahre schaffte es die älteste rechtsextreme Partei der Bundesrepublik, die NPD, sich zunehmend zum parteipolitischen Zentrum innerhalb der extremen Rechten zu etablieren.

Gleichzeitig sind in den vergangenen 20 Jahren aber auch deutliche Erfolge in der Abwehr des Rechtsextremismus und der Entwicklung und Stärkung von Zivilgesellschaft und demokratischer Kultur zu verzeichnen.

Auf der zweitägigen Veranstaltung wollen wir mit wissenschaftlichen Vorträgen und in Gesprächsrunden die Ereignisse dieser Jahre noch einmal in den Blick nehmen. Wir betrachten die Anfänge der Geschichte der extremen Rechten in der Endphase der DDR und bilanzieren die weitere Entwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte. Ausgehend von dieser Bestandsaufnahme soll die Konferenz darüber hinaus auch Gelegenheit bieten, über zeitgemäße und angemessene politische, pädagogische und bürgerschaftliche Konzepte gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt zu diskutieren.

Ein Tagungsbeitrag wird nicht erhoben. Die Tagungsorte sind für Rollstuhlfahrer zugänglich.

 

PROGRAMM

Freitag, 12. Oktober 2012:

Gedenkstätte und Museum Sachsenhausen, Straße der Nationen 22, 16515 Oranienburg, Veranstaltungsraum

  • 10.30 Uhr – Besichtigung der Baracken 38 und 39/bei Bedarf allg. Führung durch die Gedenkstätte Sachsenhausen
  • 12.30 Uhr – Begrüßung und Einführung

    Prof. Dr. Julius H. Schoeps, Direktor des Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam

    Prof. Dr. Günter Morsch, Direktor der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Oranienburg: Die Brandanschläge im September 1992 und 2002 – Taten, Täter, Folgen.

    Wer Gewalt sät – Dokumentarfilm von Gerd Monheim, WDR 1993

 

  • 14.00–16.30 Uhr – Panel 1 – Rückblicke und Kontexte

    David Begrich (miteinander e.V., Magdeburg):
    Die rassistische und rechtsextreme Mobilisierung (rassistische und rechtsextremistische Tendenzen) in der DDR- Jugend der späten 1980er und ihre Nachwirkungen in den Neuen Bundesländern in den frühen 1990er Jahre

    Heike Kleffner (Aktion Sühnezeichen e.V., Berlin):
    Hoyerswerda, Rostock, Quedlinburg – rassistische Gewalt und Asyldebatte in den Neuen Bundesländern seit 1989/90.

    Judith Porath (Opferperspektive e.V., Potsdam):
    20 Jahre rassistische und rechtsextreme Gewalt in den Landkreisen Oberhavel und Ostprignitz-Ruppin.

    Almuth Berger (angefragt) (1991–2006 Ausländerbeauftragte des Landes Brandenburg):
    Die Anfänge des „Toleranten Brandenburgs“ – Motive, Ursachen, Wirkung

    Moderation:
    Dr. Horst Seferens (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Oranienburg)

 

  • 17.00–19.00 Uhr - Podiumsdiskussion

    „20 Jahre Rechtsextremismus, Rassismus und gesellschaftliche Gegenwehr in Brandenburg“

    Gunter Fritsch (Präsident des Landtages von Brandenburg, Potsdam)
    Prof. Dr. Hajo Funke (Mitbegründer des Forums gegen Rassismus und rechte Gewalt Oranienburg)
    Ilka Gelhaar-Heider (Lübbener Forum gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit)
    Wolfram Hülsemann (1998-2008 Leiter des Brandenburgischen Instituts für Gemeinwesenberatung, Demokratie und Integration (demos))
    Uta Leichsenring (1991-2002 Polizeipräsidentin des Polizeipräsidiums Eberswalde)
    Bernd Wagner (Mitgründer von EXIT-Deutschland)

    Moderation: Dr. Christoph Kopke (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam)



Samstag, 13. Oktober 2012

Ver.di Bundesverwaltung, Paula-Thiede-Ufer 10, 10179 Berlin, Aida-Saal)

  • 9.30–12.00 Uhr - Panel 2 - Der Nationalsozialismus und die extreme Rechte

    Dr. Gideon Botsch (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam):
    Die Historisch-Fiktionale Gegenerzählung – Der rechtsextreme Zugriff auf die Deutsche Geschichte

    Dana Schlegelmilch, M.A. (Bielefeld):
    Zur Funktion von Geschichtspolitik, Symbolik und Mythenbildung innerhalb der extremen Rechten am Beispiel der „Schwarzen Sonne“

    Christian Mentel, M.A. (Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam):
    Das KZ Sachsenhausen in der revisionistischen Literatur

    Prof. Dr. Fabian Virchow (FH Düsseldorf):
    Historischer Nationalsozialismus und die Demonstrationspolitik der extremen Rechten

    Moderation: Dr. des. Werner Treß (Moses Mendelssohn Zentrum, Potsdam)

 

  • 13.00–15.30 Uhr – Panel 3 – Konfrontationen und Antworten

    Prof. Dr. Klaus Ahlheim (Berlin):
    Aufgaben und Grenzen der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus in der politischen Bildung

    Prof. Dr. Wilfried Schubarth (Universität Potsdam):
    Rechtsextremismus als Aufgabe und Gegenstand schulischer Bildung

    Prof. Dr. Hans-Gerd Jaschke (Hochschule für Wirtschaft und Recht, Berlin):
    Das „tolerante Brandenburg“ – Leistungen und Defizite

    Moderation: Dr. Wolf Kaiser (Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz, Berlin)

 

  • 16.00–18.00 Uhr – Abschlussdiskussion

    Die Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus – pädagogische, politische und bürgerschaftliche Aufgabe - Bilanz und Perspektiven

    Heilgard Asmus (Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz; Vorsitzende des landesweiten Aktionsbündnis gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit)
    Frank Jansen (Journalist, Berlin) (angefragt)
    Sandra Scherres (Senatorin für Bildung, Jugend und Wissenschaft in Berlin) (angefragt)
    Christoph Schulze (Journalist)
    Dietmar Woidke (Innenminister des Landes Brandenburg)

    Moderation: Prof. Dr. Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten)




Anmeldung bitte bis 1.10.2012 an ohm@gedenkstaette-sachsenhausen.de

Tagungsflyer Rechtsextremismus in Brandenburg

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