Erfreuliche Ergebnisse einer MMZ-Online-Umfrage

Wie „anfällig“ sind die Eliten von morgen für Vorurteile gegenüber ethnischen, kulturellen und religiösen Minderheiten in Deutschland? Das MMZ Potsdam hat von Juni bis August 2014 eine Online-Umfrage mit insgesamt 1264 Studierenden an der Universität Potsdam („Religion, Zuwanderung und interkulturelle Wahrnehmungen“) durchgeführt, die unter anderem dieser Frage nachgegangen ist. Vor allem sollten Einstellungen in Bezug auf Antisemitismus, Islamfeindlichkeit, Zuwanderung und religiöse Wahrnehmung genauer untersucht werden. Die Auswertung der Daten hat ergeben, dass antisemitische und antimuslimische Vorurteilen nur in geringem Maße auftreten. Die ganz überwiegende Mehrheit der befragten UP-Studierenden, auch das macht die Studie deutlich, bejahen eine Gesellschaft, in der die unterschiedlichen ethno-religiösen und ethno-kulturellen Gruppen gleiche Rechte und gleiche Förderung genießen und in der sie ihre Religion ungehindert praktizieren können. Auch Zuwanderung nach Deutschland wird ausdrücklich bejaht. 
 
Einstellungen gegenüber Juden und Jüdinnen
Ein ganz wesentliches Ergebnis der Umfrage ist, dass traditionelle antisemitische Stereotype unter den Studierenden der Universität Potsdam nur sehr wenig Zustimmung fanden. So bejahten beispielsweise nur knapp 2% der Befragten die Aussage, „in wirtschaftlichen Fragen sollte man im Umgang mit Juden_Juedinnen vorsichtig sein.“ Einen „zu großen Einfluss jüdischer Eliten“ auf das gesellschaftliche Leben hielten nur 5,4% für wahrscheinlich. Die Ansicht, dass Juden_Juedinnen durch ihr gesellschaftliches Verhalten am Antisemitismus „nicht ganz unschuldig“ seien, wurde ebenfalls nur von 5,5% der Befragten befürwortet.
Vereinzelte Aussagen, die auf moderne Formen von Antisemitismus schließen lassen, fanden dagegen höhere Zustimmungswerte. So standen 15,2 % der Befragten der Aussage, dass Juden_Juedinnen ihre Leiden im Zweiten Weltkrieg ausnutzen, um „heute eigene Vorteile daraus zu ziehen“, nicht ablehnend gegenüber. Einem Verbot der rituellen Beschneidung von jüdischen Jungen würden 38,3 % der Befragten uneingeschränkt oder teilweise zustimmen. Der Aussage, dass Israel einen „Vernichtungsfeldzug“ gegen die Palästinenser_innen führe, stimmten sogar 39,2% der Studierenden zu.
 
Einstellungen gegenüber Muslimen und Muslima
Ähnlich wie gegenüber Juden_Jüdinnen, zeigte nur ein vergleichsweise geringer Teil der Potsdamer Studierenden Anfälligkeiten für Vorurteile gegenüber Mulimen_Muslima. Zwar stimmten 14,2 % der Befragten der Aussage zu, dass der Islam eine „Gefahr für die abendländische Kultur“ darstelle. Immerhin 22,6% der Studenten waren der Meinung, dass Muslime_Muslima aufgrund ihrer Religion intolerant seien. Ein Verbot der rituellen Beschneidung von muslimischen Jungen würden 39,5% begrüßen, was in etwa jenem Prozentsatz der Befragten entspricht, die ein solches Verbot ebenso für die rituelle Beschneidung von jüdischen Jungen begrüßen würden.
Andererseits befürworten mehr als die Hälfte der Studierenden (54,8%) den Bau von Moscheen selbst dann, wenn eine Mehrheit der (nichtmuslimischen) Bevölkerung sich dagegen aussprechen würde. Noch stärkere Zustimmung fand die Auffassung, dass bei Fortbestand des Kopftuchverbotes für Muslima im öffentlichen Dienst auch christliche Symbole und jüdische Symbole im öffentlichen Dienst untersagt werden sollten. Dieser Ansicht stimmten 53,3% der Studierenden vollkommen und 26,1% tendenziell zu.
 
Korrelation mit politischer Orientierung, Religion, politischer und sozialer Deprivation
Insgesamt betrachteten sich 54,9 Prozent der befragten Studierenden als politisch links oder stark links orientiert. 34,7 Prozent ordneten sich in der Mitte des politischen Spektrums ein. Insgesamt 2,2 Prozent der Studierenden verorteten sich politisch rechts. Die politische Einstellung korrelierte signifikant mit Antisemitismus und Islamfeindlichkeit: Umso stärker sich die Studierenden im linken politischen Spektrum verorteten, umso positiver waren ihre Einstellungen gegenüber den beiden Minderheiten. Zwischen der Religionszugehörigkeit und den Einstellungen zu Antisemitismus sowie Islamfeindlichkeit fanden sich dagegen keine signifikanten Zusammenhänge. Auch die Stärke an Religiosität zeigte nur geringe bis keine Zusammenhänge mit den erhobenen Einstellungen.
Dagegen konnten signifikante Zusammenhänge zwischen Gefühlen der politischen wie sozialen Deprivation und Antisemitismus /Islamfeindlichkeit erkannt werden, wobei Gefühle der politischen Deprivation sich stärker negativ auswirkten als soziale Deprivation. Soziale Dominanzorientierung korrelierte mit negativen Einstellungen zum Islam und zur Zuwanderung, nicht aber mit Antisemitismus

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