Konstantin Baehrens

Vita 

Studium der Philosophie und Literaturwissenschaft (Germanistik) an der Universität Potsdam; Abschluss mit einer Arbeit zu Walter Benjamins Geschichtsphilosophie

WiSe 2006/07: Auslandssemester an der Université Stendhal (Grenoble-III) in Grenoble, Frankreich (Erasmus-Stipendium) 

03/2007-06/2009: studentische Hilfskraft am Lehrstuhl für Ethik und Ästhetik des Instituts für Philosophie an der Universität Potsdam

2012/13: Teilstipendium der Kommission für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs (FNK) der Philosophischen Fakultät an der Universität Potsdam zur Beförderung der Bewerbung um ein Promotionsstipendium

seit 2014: Kollegiat des Ludwig Rosenberg Graduiertenkollegs als Promotionsstipendiat der Hans-Böckler-Stiftung

 

Promotionsprojekt

Zeitgenössische Untersuchungen zur NS-Ideologie durch Philosophen jüdischer Herkunft: Cassirer, Horkheimer/Adorno, Husserl, Lukács, Plessner (Arbeitstitel)

Angesichts der ungeheuren Brutalität der nationalsozialistischen Diktatur sahen sich selbst Philosophinnen und Philosophen, die sich sonst kaum öffentlich politisch äußerten und die eigene Theorie von expliziten Gesellschaftsbezügen weitgehend freihielten, in außerordentlichem Maße veranlasst, sich auch theoretisch mit der Frage der gesellschaftlichen Relevanz ihrer eigenen intellektuellen Tätigkeit auseinanderzusetzen, insbesondere wenn sie selbst sogar persönlich von Verfolgungen betroffen waren. Die Dissertation behandelt philosophiegeschichtliche Untersuchungen zur NS-Ideologie, deren Verfasser jüdischer Herkunft waren, beziehungsweise als sogenannter ‚Halbjude‘ von akademischer Arbeit in Nazideutschland ausgeschlossen wurden, und die zwischen 1933 und 1945 entstanden, auch wenn sie oft erst nach dem Zweiten Weltkrieg, teilweise in überarbeiteter Form, veröffentlicht wurden. Ernst Cassirers The Myth of the State (1946), Max Horkheimers und Theodor W. Adornos Dialektik der Aufklärung (1944/47/69), Edmund Husserls Die Krisis der europäischen Wissenschaften und die transzendentale Phänomenologie (1936/54), Georg Lukács’ Die Zerstörung der Vernunft (1954) und Helmuth Plessners zuerst 1935 unter dem Titel Das Schicksal deutschen Geistes im Ausgang seiner bürgerlichen Epoche erschienene Studie Die verspätete Nation (1959) werden bezüglich ihrer Kritiken von unterschiedlich definiertem ‚Irrationalismus‘, ihrer Konzeptionen von Humanismus und spezifisch deutscher historischer Entwicklung, hinsichtlich ihrer historischen Verortung und ideologietheoretischen Deutung des Antisemitismus und des Massenmords am europäischen Judentum und nicht zuletzt ihrer Methoden der Philosophiegeschichtsschreibung und ihrer Einschätzungen der historisch-gesellschaftlichen Relevanz von Philosophie vergleichend miteinander in Beziehung gesetzt. Im Zentrum der Untersuchung steht die Entwicklung der Theorie von Georg Lukács, der sich als Einziger der Genannten in Gewerkschaften und Parteien der Arbeiterbewegung organisierte und dessen Theorie zunächst vor allem in diesem Rahmen rezipiert und diskutiert wurde. In historisch-systematischer Perspektive werden soziale wie politische Entstehungs- und Rezeptionsbedingungen der Studien ebenso einbezogen wie ihr konzeptueller Gehalt für aktuelle Auseinandersetzungen mit der NS-Vergangenheit – auch in der Philosophie – und dem Problem des Antisemitismus.

 

Publikationen

Intellektuelle Verantwortung. Über relative Autonomie künstlerischer wie theoretischer Literatur und soziale Relevanz geistiger Arbeit. In: Lukács 2016. Jahrbuch der Internationalen Georg-Lukács-Gesellschaft 16 (2016), S. 199-225. (im Erscheinen)

„[D]en ganzen Menschen“. Lukács’ humanistische Anthropologie und die Literatur der deutschen Klassik. In: links. Rivista di letteratura e cultura tedesca XVI (2016), S. 25-34. (im Erscheinen)

[Rezension:] Ulrich Sieg: Geist und Gewalt. Deutsche Philosophen zwischen Kaiserreich und Nationalsozialismus. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 67 (2015) 3/4, S. 319-322.

Einleitung zu Georg Lukács: Warum sind Demokratien den Autokratien überlegen? und Das wirkliche Deutschland. In: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 63 (2015) 2, S. 358-366. (Aus dem Nachlass edierte Texte: ebd., S. 367-395.)

Mediale ‚Organisierung‘ des ‚Leibraums‘ durch ‚zweite Technik‘. Zu Walter Benjamins ‚anthropologischem Materialismus‘. In: Marc Berdet, Thomas Ebke (Hg.): Anthropologischer Materialismus und Materialismus der Begegnung. Vermessungen der Gegenwart im Ausgang von Walter Benjamin und Louis Althusser. Berlin: Xenomoi 2014, S. 163-187.

Verdikt und Trauerspiel. Ein Rezensionsessay zu Lukács, mit Seitenblicken auf Adorno. In: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte 65 (2013) 4, S. 394-405.

Tagungsbericht Opfer, Täter, Jedermann? „DDR-Zeitzeugen“ im Spannungsfeld von Aufarbeitung, Historisierung und Geschichtsvermittlung. 14.02.2013-15.02.2013, Potsdam. In: H-Soz-u-Kult, 03.05.2013, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/tagungsberichte/id=4787>. (Druckfassung in: Christian Ernst (Hg.): Geschichte im Dialog? ‚DDR-Zeitzeugen‘ in Geschichtskultur und Bildungspraxis. Schwalbach/Ts.: Wochenschau 2014, S. 293-303.) 

 

Vorträge

Haltungen zum Antisemitismus in Monographien aus der deutschsprachigen Arbeiterbewegung um 1933. Vortrag auf der interdisziplinären Tagung „Streben nach Emanzipation? Judentum und Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert“, ausgerichtet vom Ludwig Rosenberg Kolleg, Akademie des Jüdischen Museums Berlin; 31. Januar - 2. Februar 2016.

“The Entire Human Being”: Lukács’s Humanist Anthropology and German Classic Literature. Vortrag auf der interdisziplinären Tagung „Versuche über den Roman: Life and Literature after Lukács“, 26th Annual Graduate Student Conference, German Department der Yale University; 10. - 11. April 2015.

Mediale ‚Organisierung‘ des ‚Leibraums‘ durch ‚zweite Technik‘. Zu Walter Benjamins ‚anthropologischem Materialismus‘. Vortrag auf der Tagung „Anthropologischer Materialismus und Materialismus der Begegnung. Vermessungen der Gegenwart im Ausgang von Walter Benjamin und Louis Althusser“, deutsch-französische Sommerschule am Institut für Philosophie der Universität Potsdam; 16. - 20. Juli 2012.

 

Lehre

SoSe 2015: Die Wahrnehmung des Antisemitismus in der deutschsprachigen Arbeiterbewegung, 1920-1945 (Universität Potsdam, Historisches Institut / Institut für Jüdische Studien; gemeinsam mit Priv. Doz. Dr. phil. habil. Gideon Botsch)

 

Kontakt: baehrens(a t)uni-potsdam.de