Konferenz Kunst gegen Valuta

PRESSEMITTEILUNG / 11. Mai 2011

Kunst gegen Valuta - Der staatliche Ausverkauf von Kunst und Antiquitäten zur Devisenbeschaffung in der DDR

Eine Internationale Tagung des Moses Mendelssohn Zentrums in Kooperation mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte.

Gemeinsam mit dem Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (HBPG) lädt das Moses Mendelssohn Zentrum Potsdam vom 15.-17. Mai 2011 zur internationalen Tagung „Kunst gegen Valuta. Der staatliche Ausverkauf von Kunst und Antiquitäten zur Devisenbeschaffung in der DDR“ ein. Veranstaltungsort ist das Kutschstall-Gebäude, Am Neuen Markt 9, Potsdam, wo die Tagung am 15. Mai 2011 um 18 Uhr eröffnet wird. Sie wird gefördert durch die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Kunstsammlungen und Kunsthandel gehören zu den besonders prekären Themen in der DDR-Geschichte. Auch in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und im SED-Staat spielten Kunstwerke und Antiquitäten eine enorme Rolle. Es entstanden erstaunliche Sammlungen in privater wie öffentlicher Hand, wobei staatlicher Zugriff, staatliche Reglementierung und schließlich schamloser (Aus-)Verkauf die Schattenseiten der Geschichte markieren.
Ab Mitte der 1950er Jahre kontrollierte der Staatliche Kunsthandel der DDR den Binnen- wie auch den Außenhandel, später gewann der von Alexander Schalck-Golodkowski gegründete, geheime Wirtschaftsbereich Kommerzielle Koordinierung (KoKo) einen zweifelhaften Einfluss. Das Unternehmen handelte mit allem, was der DDR D-Mark und Dollar einbrachte, und interessierte sich nebenbei auch für den Kunsthandel. Zum Zweck der Export-Warenbeschaffung wurde ein Großangriff auf die Museumsdepots der DDR geplant - ein Vorhaben, das scheiterte, unter anderem weil die Museen die Zusammenarbeit verweigerten.

Viele der ostdeutschen Privat-Sammler und Antiquitätenhändler verloren ihre Kunstsammlungen dennoch an den Staat. Häufig wurden sie Opfer fingierter Steuerverfahren, an deren Ende die Übernahme ganzer Sammlungen durch die DDR-Behörden stand. Unkontrolliert über die Grenze verbracht, fand die heiße Ware im Ausland reißenden Absatz.
Die Konferenz stellt den deutsch-deutschen Kunsttransfer in den Mittelpunkt und geht besonders auf die Situation der Sammler und die Rolle der Museen in der DDR ein. Zeitzeugen und Fachleute aus dem Kultur- und Wissenschaftsbereich werden das eher vernachlässigte Kapitel deutscher Kulturgeschichte aufgreifen und zudem diskutieren, wie mit dem zweifelhaften Erbe zukünftig umgegangen werden soll. Zwanzig Jahre nach der Wiedervereinigung sind noch immer viele Forschungsfragen offen. Die Tagung bietet Anlass für eine breitere fachliche und öffentliche Auseinandersetzung mit dem Thema.

Tagungsleitung: Prof. Dr. Julius H. Schoeps und Dr. Elke-Vera Kotowski in Kooperation mit Dr. Ulf Bischof, Berlin

Rückfragen u. zusätzliche Informationen:
Dr. Elke-Vera Kotowski, Tel. 0331-280 94 12