Hubert Burda - Preisträger 2015

Auszug aus der Danksagung Hubert Burdas anlässlich der Verleihung der Moses-Mendelssohn-Medaille 2015:

Dankesworte

 

Hubert Burda

Sehr verehrte Präsidentin Charlotte Knobloch, sehr verehrter Professor Julius Schoeps, sehr verehrtes Publikum,

diese jüdisch-preußisch-bayrische Ehrung in einem Saal, der meinen Namen trägt – mehr kann ich mir zu meinem Glück heute Abend nicht wünschen! Besten Dank für die Verleihung der Mendelssohn-Medaille, und für die mich tief bewegende Laudatio, verehrte Frau Präsidentin!

Der jüdische und deutsche Philosoph der Aufklärung  – geboren 1729 in Dessau, gestorben 1786 in Berlin – war das Vorbild, so sagt man, für die Figur des Nathan, des Weisen, in dem gleichnamigen Stück seines Freundes Gotthold Ephraim Lessing. Er trachtete danach, das Judentum der Tradition mit der geistigen Aufklärung im Preußen der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zu versöhnen. Im Jahr 1770 forderte der Schweizer Pfarrer Johann Caspar Lavater ihn öffentlich auf, entweder in aller Form das Christentum zu widerlegen oder selbst Christ zu werden. Mit viel Geschick gelang es Mendelssohn, sich aus dieser Falle zu befreien. Er plädierte für das Nebeneinander von Christentum und Judentum, für gegenseitigen Respekt und Toleranz auf beiden Seiten.

Jeder moderne Verleger eines größeren Konzerns muss sich diesem Toleranzgebot heute verschreiben, will er angesichts der Meinungsvielfalt in westlichen, demokratischen Gesellschaften bestehen. Ja, Toleranz ist eine Selbstverständlichkeit geworden, keine heroische Tugend, die ein publizierender Jude in einer überwiegend christlichen Gesellschaft wie im Preußen am Ende des 18.Jahrhunderts beschwören musste. Ein Verleger nach der digitalen Revolution hat es nicht mit einem Publikum, sondern mit Publika zu tun, mit verschiedenen Adressaten in verschiedenen Gesellschaften, in unterschiedlichen Medien. Es kann ihm nicht schaden, sich des Toleranzgedankens Mendelssohns und seines Freundes Lessing bewusst zu sein, der die deutsche Geistesgeschichte – leider nicht immer – prägte.

 

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