Georg Simmels Geschlechtertheorien

Bearbeitung: Dagmar Reese

Über mehr als 20 Jahre hat sich Georg Simmel mit Fragen zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter auseinandergesetzt. Gegenstand des Projektes ist die erstmalige systematische Darstellung und Verknüpfung dieses anhaltenden Interesses mit den tiefgreifenden Umbrüchen in den Geschlechterverhältnissen an einem Knotenpunkt europäischer Modernisierung: der Großstadt Berlin des Fin de Siècle. Simmels kontinuierliche Beschäftigung mit den Geschlechterverhältnissen wird untersucht als ein Reflexionsprozess, an dessen Diskontinuitäten sich die realen gesellschaftlich-politischen Umbrüche in den Geschlechterverhältnissen abbildeten, die kulturell-intellektuellen Diskurse, die sie begleiteten sowie die biographische Erfahrung des älter werdenden Mannes.

Für die Zwecke dieser Untersuchung werden vier Werkphasen unterschieden, für die - im Mannheimschen Sinn - Georg Simmels eigener sozialer, politischer und kultureller Ort herausgearbeitet werden soll. Das Projekt ist interdisziplinär angelegt: Es ist ebenso Teil der Geschichte der Soziologie, wie der Kultur- und Geschlechtergeschichte. Leitende Hypothese des Projektes ist, dass Geschlecht in dem Maße an systematischer Bedeutung für die Konstruktion und Analyse von gesellschaftlicher Wirklichkeit gewinnt, wie im Zuge gesellschaftlicher Modernisierung Geschlechterrollen sich pluralisieren, in sich brüchig und zum Feld sozialer, politischer und kultureller Auseinandersetzung werden.