Geliebter Feind - gehasster Freund. Antisemitismus und Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart

Irene A. Diekmann / Elke-Vera Kotowski (Hg.)
Geliebter Feind – gehasster Freund
Antisemitismus und Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart
Berlin 2009, 756 S., 34 s/w-Abb., Hardcover, Format: 15,0 x 22,0 cm
36,90 €
ISBN 978-3-86650-334-2

Die Begriffe „Antisemitismus“ und „Philosemitismus“ tauchen erstmals während des so genannten Antisemitismusstreits zu Beginn der 1880er-Jahre auf. „Philosemitisch“ – als Gegensatz zu „antisemitisch“ gebildet – umschreibt eine eher judenfreundliche Haltung, die sowohl wertneutral-beschreibend als auch polemisch, wenn nicht gar denunziatorisch gemeint sein kann. Das Substantiv „Philosemitismus“ wurde offenbar von deutschen Antisemiten geprägt, die es in polemischer Absicht gegen den deutschen Linksliberalismus verwendeten, der in ihren Augen das Sprachrohr des reichen jüdischen Großbürgertums war. Im Gegensatz zum Antisemitismus ist der Philosemitismus als Gesamtphänomen noch wenig erforscht.

Der Band enthält die Beiträge der Tagung Geliebter Feind – gehasster Freund. Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart, die im Juni 2007 anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Dr. Julius H. Schoeps stattfand. Die Einzelergebnisse ermöglichen eine Gesamtschau des Phänomens Philosemitismus, die über den Expertenkreis hinaus auch für ein breiteres Publikum interessant ist.

 

Pressestimmen

"Philosemitismus ist ein vielschichtiger, schwer zu fassender Begriff, der in der politisch-öffentlichen Diskussion bisher kaum Verwendung fand. In einer deskriptiven Vermittlung bezeichnet er zunächst die Liebe zu den Semiten im Gegensatz zu Antisemitismus und Antijudaismus. Nicht nur Klaus Faber und Lars Rensmann weisen in diesem Band auf differente Funktionalisierung und Inhaltszuschreibung an den Begriff hin, dessen Wert als politik- und sozialwissenschaftliche Kategorie diskutabel sei und weiterer Forschungen bedürfe. Der Sammelband dokumentiert eine Tagung vom Juni 2007, die – aus Anlass des 65. Geburtstages des Historikers Schoeps – in interdisziplinärer Weise dem Gegenstand des Philosemitismus in Geschichte und Gegenwart gewidmet war. Dabei lässt sich dieses Phänomen nicht isoliert von Antisemitismus betrachten. Die Begriffsanalyse von Wolfram Kinzig gibt die thematische Breite der Beiträge vor: Er zeichnet zunächst in ideengeschichtlicher Perspektive die Geschichte des Begriffs und die Diskussion um eine mögliche Typologisierung nach. Seine Thesen weisen danach auf dessen Historie, welche Gerhard Langer und Pedro Barceló bis in die Antike und frühe römische Kaiserzeit zurückverfolgen. Dass Philosemitismus keine spezifisch deutsche Erscheinung sei, untermauern internationale Ansichten u. a. auf Japan, Amerika und Europa. Breiten Raum nimmt zudem der Philosemitismus im Kontext der Religionsphilosophie beziehungsweise -kritik und der Geschichte des europäischen Aufklärungsprozesses ein. Der Hinweis Kinzigs, Philosemitismus nicht als singuläres Phänomen zu begreifen, führt in die Tiefe der Diskussion nach 1945 und mit literatur- sowie musikwissenschaftlichen Analysen in die fachliche Fülle. In diesem Sinne ist der Band ein Forschungsdesiderat mit explizitem Auftrag an zukünftige Wissenschaftler. Er eignet sich daher nicht für einen schnellen Zugang zum Thema." Zeitschrift für Politikwissenschaft (ZPol), erschienen online, 13.10.2009.

 

Verlag für Berlin-Brandenburg/Geliebter Feind

 

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