Christoph Gollasch

Vita

Geboren 1985 in Hof

2007-2014: Studium der Sozialwissenschaften und Philosophie mit Schwerpunkt Politikwissenschaft in Leipzig, Edinburgh, Be‘er Scheva und an der FU Berlin

seit 2013: Honorarkraft im pädagogischen Team des Friedhofs der Märzgefallenen

seit 2014: Mitarbeiter der pädagogischen Dienste der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

01/2015-03/2015: Stipendiat des Zentrums für Antisemitismusforschung der TU Berlin

seit 2016: Stipendiat des Ludwig­Rosenberg­Graduiertenkollegs als Promotionsstipendiat der Hans­Böckler­Stiftung

 

Promotionsprojekt

Die proletarische Rezeption von Silvio Gesells „Freiwirtschaft“, „Freiland“ und „Freigeld“

(Arbeitstitel)

Die Lehren Silvio Gesells haben mit der zunehmend finanzdominierten Kapitalakkumulation und der daraus folgenden globalen Wirtschafts- und sogenannten europäischen Finanzkrise an gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Offenkundig wurde dies zuletzt Anfang des Jahres 2016, als sich Stanley Fisher, Vizepräsident der US-amerikanischen Zentralbank, in Vorträgen zur aktuellen Niedrigzinspolitik auf diese bezog.

Dabei wurden bereits Debatten geführt, die – zumindest in Deutschland – eine Stigmatisierung Gesells und seiner Schriften zur Folge hatten. Robert Kurz nannte die Freiwirtschaftslehre eine „Politische Ökonomie des Antisemitismus“, Elmar Altvater schrieb ihr eine strukturelle Nähe zum Antisemitismus zu. Und Jutta Ditfurth subsumierte Gesell dem „Ökofaschismus“. Diese und andere Zuschreibungen erfolgten jedoch stets vor dem Hintergrund virulenter politischer Auseinandersetzungen, weswegen keine hinreichende Historisierung Gesells erfolgte.

Das Anliegen des Promotionsvorhabens ist es, die linke Rezeption von Gesell im Besonderen und von sogenannter verkürzter Kapitalismuskritik im Allgemeinen in ihre Anfangsphase zurückzuverfolgen. Wurde die Geld- und Zinskritik auch in proletarischen Milieus rezipiert und wenn ja, wie wurden Antisemitismus und verschiedene völkischen Versatzstücke in diesem Zusammenhang verhandelt? Zur Beantwortung der Frage sollen Archive konsultiert werden, die Zeugnisse aus unterschiedlichen Milieus der Arbeiter_innenbewegung der Zwischenkriegszeit bewahren.

 

Publikationen

„Menschen, laßt die Toten ruhn“. Das KZ Sonnenburg als Prisma der Frühphase des Nationalsozialismus, in: Sozial.Geschichte Online, 19. Jahrgang Heft 2 (2016) [in Kürze erscheinend].

Das KZ Sonnenburg, in: Hans Coppi, Kamil Majchrzak (Hg.): Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg, Berlin: Metropol 2015, S. 38-48.

Zivilklauseln, oder die Frage: Krieg ist Frieden? (Rezension von Thomas Nielebock, Simon Meisch, Volker Harms (Hg.): Zivilklauseln für Forschung, Lehre und Studium. Hochschulen zum Frieden verpflichtet), in: kritisch-lesen.de, 4/2014.

Paul Albrecht, in: Siegfried Mielke, Stefan Heinz (Hg.): Gewerkschafter in den Konzentrationslagern Oranienburg und Sachsenhausen, Berlin: Metropol 2013, S. 67-88.

Willi Müller, in: ebd., S. 147-162.

Max Müller, in: ebd., S. 574-586.

 

Vorträge

Das KZ Sonnenburg. Möglichkeiten und Grenzen seiner historischen und pädagogischen Aufarbeitung. Vortrag auf der Tagung „Sonnenburg/Słońsk. Ein europäischer Gedenk- und Lernort zu Verfolgung und Widerstand“, Haus der Demokratie und Menschenrechte in Berlin, Dezember 2015.

Verfolgte im Berliner Polizeikrankenhaus 1933-45. Vortrag im Rahmen des Workshops „Das Staatskrankenhaus der Polizei im Nationalsozialismus. Eine Forschungslücke“, Topographie des Terrors, November 2015.

Fotographie im KZ und Zuchthaus Sonnenburg. Vortrag auf der 10. Europäischen Sommeruniversität der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten zum Thema „Fotografie in Konzentrationslagern. Praxis, Funktion und Überlieferung“, Ravensbrück, August 2015.

 

Lehre

2012-2014: Tutor am Otto-Suhr-Institut der FU Berlin