Ania Szyba

Vita:

Studium der Kulturwissenschaften an der Europa Universität Viadrina Frankfurt/Oder und der jüdischen Geschichte an der Warschauer Universität im Rahmen eines Austauschprogramms.

2010-2015 Arbeit im Zentrum für Jiddische Kultur (Warschau) als Projektleiterin und Jiddischlehrerin.

Seit 2015 Stipendiatin des Ludwig Rosenberg Kollegs

 

Promotionsvorhaben:

Die Erziehung eines intellektuellen Arbeiters – der Blick sozialistisch gesinnter Juden im Polen der Zwischenkriegszeit auf weltweite pädagogische Strömungen. (Arbeitstitel)

 

Das Hauptziel meiner Arbeit ist die Analyse der Erziehungskonzepte und -methoden, wie sie von jüdischen, der sozialistischen Bewegung nahe stehenden Erziehungsanstalten und Einrichtungen in Polen angewandt wurden, vor dem Hintergrund der das Europa des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts verändernden weltweiten Umbrüche auf dem Gebiet der Pädagogik. Dabei soll auf die Frage eingegangen werden, in wie weit die neue Pädagogik, insbesondere die deutsche Reformpädagogik, die sozialistische Erziehung der jüdischen Jugend in Polen beeinflusst hat. Im Rahmen der Arbeit will ich das Ausmaß dieser Einflüsse untersuchen, wobei zu erörtern bleibt, wie die modernen Erziehungsmethoden an die Praxis der Erziehung jüdischer Jugendlicher im sozialistischen Sinne angepasst wurden. Die Analyse wird sich auf die Periode 1916/1918-1939 konzentrieren. Ich gehe davon aus, dass sich jüdische Ideologen, Pädagogen und Psychologen bei der Entwicklung neuer Methoden der Jugendarbeit in Polen stark von den zeitgleich in den USA und in Westeuropa entstehenden Methoden und Theorien beeinflussen ließen. Das Hauptanliegen der vorliegenden Untersuchung kann somit als ein Versuch bezeichnet werden, anhand des Transfers von Ideen und Erziehungskonzepten, der zwischen West- und Osteuropa stattfand, die Existenz von transnationalen Netzwerken und Verflechtungen zu ermitteln. Dieser Transfer der Bildungsideen wurde von der bisherigen Forschung zur polnisch-deutsch-jüdischen Geschichte kaum beachtet, obwohl sie von der kulturellen Vielfalt jüdischer Identitäten in Osteuropa, ihre Offenheit gegenüber den neuen Trends und schließlich von ihrer Modernität ein Zeugnis ablegt. Die in der untersuchten Zeitperiode intensiv geführten Auseinandersetzungen zwischen den jüdischen sozialistischen Pädagogen zeigen, dass Polen damals zu einem „Schlachtfeld der Ideen“ wurde, auf dem nicht nur das „Alte“ mit dem „Neuen“, das „Zurückgebliebene“ mit dem „Fortschrittlichen“ kämpften, sondern auch ost- und westeuropäische Ideale produktiv aufeinanderstießen.